CALL FOR PAPERS: Geschichte der wissenschaftlichen Weiterbildung

Am 15.10.2019
Veranstalter: Zeitschrift für Hochschule und Weiterbildung
Kategorie: Call for Papers

Thema

Sich mit der Geschichte der wissenschaftlichen Weiterbildung auseinandersetzen, erscheint auf einen ersten Blick ungewöhnlich. Hat die wissenschaftliche Weiterbildung programmatisch erst in den 1970er-Jahren an gesellschaftlichem Stellenwert gewonnen, so wie es auch für andere Bildungsbereiche zu beobachten ist. Die aktuellen Jubiläumsschriften im Sinne von (Erfolgs-) geschichten zu Einrichtungen, Verbänden und wissenschaftlichen Fachgesellschaften der (Weiter)Bildung zeugen von den Aufbrüchen vor einem halben Jahrhundert. Zugleich ist das Feld der wissenschaftlichen Weiterbildung aus Sicht ihrer Akteur*innen stark vom „operativen Geschäft“ und dem Primat alltäglicher Problemlösung geprägt. Ebenso dringlich ist die Zukunftsgewandtheit: Es gilt immer wieder strategische Neuausrichtungen vorzunehmen, die die Arbeit „zukunftsfähig“ machen. Darauf verweisen auch die aktuellen Empfehlungen des Wissenschaftsrats (2019); u. a. die Aufforderung an die Hochschulen, sich im Selbstverständnis stärker als Einrichtungen lebenslangen Lernens zu begreifen.

Warum nun dieser thematische Schwerpunkt zur historischen Reflexion (zum „Blick zurück“)? Schon diese Frage selbst verweist auf den gegenwärtigen Zustand der wissenschaftlichen Weiterbildung. Die historiographische Aufarbeitung zählt zu den „weißen Flecken“ (Kondratjuk & Schulze, 2016). Das zugrundeliegende Dilemma brachte Elke Gruber (2010, S. 5) für die Erwachsenenbildung auf den Punkt: „Für eine historische Reflexion von Zielsetzungen, Strukturen und Persönlichkeiten der Disziplin bleibt zumeist nur wenig Raum“. Für ihren (akademischen) Stellenwert, ihre Profilierung und Professionalisierung, kurzum um das Feld besser zu verstehen, gilt es bisherige Entwicklungen in den Blick zu nehmen. Hinzu kommt, dass sich im Feld ein Generationenwechsel vollzogen hat und vollzieht. Vielen der heute eher als Projektmitarbeiter*innen Beschäftigten fehlt weitgehend ein historischer Blick und das „institutionelle Gedächtnis“ von Einrichtungen wird in Zeiten des projektförmig getriebenen Wandels immer kurzzeitiger.

Vereinzelt gab es immer wieder historische Aufarbeitungen: sei es zu den Vorläufern wissenschaftlicher Weiterbildung (Schäfer, 1988), zur Geschichte der Universitätsausdehnung (Filla, 2006) und den Entwicklungen seit dieser Zeit (Wolter & Schäfer, 2018), zur Institutionalgeschichte einzelner Hochschulen (Keil, 2014) oder ideengeschichtlich zur Weiterbildung als Vermittlung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft (Faulstich 2006) und den Pionier*innen öffentlicher Wissenschaft (Faulstich, 2008) – und vor allem anlassbezogene periodische Zwischenresümees der Fachgesellschaft (bspw. Dikau, 1996; Hörr & Jütte, 2017).

Es ist Zeit, bisherige Erkenntnisse zu rekonstruieren, festzuhalten und in den aktuellen Diskurs einzubringen. Wir laden Beiträge zur historiographischen Aufarbeitung ein, die sich mit einem der folgenden Aspekte aus einer historischen Perspektive beschäftigen:

  • Gesellschaftliche Entwicklungen, sozialer Wandel und Trends und deren Niederschlag in programmatischen Grundlagen, Diskursen, Themenkonjunkturen und Projekten,

  • Begriffsgeschichte(n) und ideengeschichtliche Entwicklungen,

  • Geschichte der Akteur*innen, von Institutionen, Einrichtungen und Verbänden, Selbstverständnisse, Biografien

  • Geschichte der Hochschulbildung in Deutschland, Bildungsverständnisse und Professionalisierungsansprüche,

  • Entwicklungen in der didaktischen Bearbeitung des Theorie-Praxis-Verhältnisses, in den didaktisch-methodischen Zugängen und weiteren professionellen Handlungsvollzügen

  • Geschichtliche Entwicklungen aus internationaler/komparativer Sicht und transdisziplinäre Beiträge zur Historiographie,

  • Geschichte der Forschung und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Weiterbildung und ihren Vorläufern, Quellenlagen und Methoden (Zeitzeugeninterviews, Programmanalysen, Statistische Erfassung...)


Die Deadline zur Einreichung von Beiträgen ist der 15. Oktober.

Hier finden Sie den vollständigen CALL FOR PAPERS (PDF)




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