Call for Papers: bwp@ Nr. 40 – Didaktisierung des Digitalen: Zur Entwicklung berufs- und wirtschaftspädagogischer Studiengänge

Am 03.12.2020
Veranstalter: Berufs- und Wirtschaftspädagogik online
Kategorie: Call for Papers

Digitale Technologien verändern unsere Art und Weise zu kommunizieren, zu arbeiten und (zusammen) zu leben; sie durchdringen zunehmend die private und gesellschaftliche Lebens- aber auch die Arbeitswelt der Menschen, mit weitreichenden Auswirkungen auf allen Ebenen. In der Arbeitswelt bewirkt die Digitalisierung beispielsweise einen Wandel von Geschäftsmodellen, von Unternehmensprozessen und von beruflichen Handlungsfeldern und Aufgaben; sie führt zu veränderten Berufsprofilen oder gar zu ganz neuen Berufen. Die Veränderungen durch die Digitalisierung wirken demzufolge massiv in die berufliche Bildung hinein, weil diese in besonderem Maße von den Innovationen und Umwälzungen in der Arbeitswelt betroffen ist. Aus der Dynamik und Komplexität der auch durch die Digitalisierung bedingten Veränderungen resultiert ein sichtliches Potenzial, aber eben auch eine besondere Verantwortung für die zukünftige Gestaltung des beruflichen Lernens in den unterschiedlichen Lernorten der Berufsbildung. Um diese herausfordernde Aufgabe bewältigen zu können, braucht es Berufs- und Wirtschaftspädagog*innen, die in der Lage sind, die Bildungsprozesse der zukünftigen Generation in den unterschiedlichen Bereichen der beruflichen Bildung verantwortungsvoll zu gestalten und Fragestellungen der Digitalisierung unter einer Ziel-, Inhalts- und Methodenperspektive anzugehen. All dies wirft die Frage danach auf, was die Digitalisierung für die (Weiter-)Entwicklung berufs- und wirtschaftspädagogischer Studiengänge bedeutet. Die Veränderungen und Herausforderungen berufs- und wirtschaftspädagogischer Studiengänge sind oftmals ganz grundlegender und struktureller Art und gehen weit über rein technologische Aspekte hinaus. In diesem Verständnis darf die Digitalisierung nicht nur auf eine Überführung „analoger“ Informationen und Verhaltensweisen ins Digitale verstanden werden, sondern führt zu teilweise fundamentalen Wandlungsprozessen in bestehenden Konzepten des Wissenstransfers sowie des Kompetenzerwerbs, des Rollenverständnisses und der Strukturen der Organisation und der Zusammenarbeit in und zu den Kooperationspartnern, in den politischen Rahmenbedingungen sowie zu neuen oder veränderten Formen des Lernens. Welche grundlegend neuen Herausforderungen stellen sich für die universitäre Ausbildung von Berufs- und Wirtschaftspädagog*innen? Welche (ersten) Schritte und Entwicklungen sind in der momentanen Ausbildung zu erkennen und wodurch zeichnen sich gelungene Beispiele aus? Es ergeben sich insgesamt vielfältige Konsequenzen für die Gestaltung der Studiengänge in den unterschiedlichen beruflichen Fachrichtungen und allgemeinbildenden Fächern in allen berufs- und wirtschaftspädagogischen Studiengängen.

Mit der Ausgabe 40 von bwp@ wollen wir didaktische Gestaltungsfragen in den Mittelpunkt der Ausgabe stellen. Wir laden dazu ein, Potenziale und Herausforderungen der Digitalisierungsprozesse in den Hochschulen sichtbar zu machen und in Form von Zustandsbeschreibungen, Evaluierungsergebnissen, Entwicklungstendenzen, Beispielen, Empfehlungen und Praxiserfahrungen darzustellen sowie Erfolgsfaktoren zur Gestaltung der Studiengänge zu beschreiben.

Die Beiträge können folgenden fünf Schwerpunkten oder ihren Schnittbereichen im Bezug zur Digitalisierung & Didaktik berufs- und wirtschaftspädagogischer Studiengänge zugeordnet werden:

1. Implikationen und Konsequenzen klären: Veränderungen in der beruflichen Praxis und ihre Auswirkungen auf berufs- und wirtschaftspädagogische Studiengänge

Welche Veränderungen in den beruflichen Handlungsfeldern – Berufsbildung 4.0 sind aktuell zu erkennen? Wie wandeln sich die Anforderungen in der beruflichen Bildungsarbeit durch die Digitalisierung? Welche Einflüsse hat der digitale Wandel in der Ausbildung und in den Berufsbildenden Schulen auf die berufs- und wirtschaftspädagogischen Studiengänge in den beruflichen Fachrichtungen?

2. Reflexion des Zielhorizonts: Professionalisierung zukünftiger Berufs- und Wirtschaftspädagog*innen und Qualitätsentwicklung

Welches Wissen und welche Kompetenzen, welche Einstellungen und Haltungen, welche „Bereitschaften“ (auch in der Nutzung digitaler Technologien) sollen Studierende erwerben und mit welchen Themen/Inhalten/Problemfeldern sollten sie sich daher im Studium auseinandersetzen? Wie erfolgt die curriculare Verankerung von Schwerpunkten der Digitalisierung in die Studiengänge? Wie verändern sich die Zielstellungen und die Ausrichtungen der Studiengänge? Welche praktischen Erfahrungsräume im Kontext der Digitalisierung können angeboten werden und wie können diese in die Professionalisierung integriert werden?

3. Strukturen gestalten: Studiengangorganisation und Rahmenbedingungen

Was können digitale Technologien im Kontext der Studienorganisation leisten? Welche veränderten Formen der Zusammenarbeit sind möglich oder gar erforderlich? Welche Institutionen (für die Praxisphasen, Phasen der Lehrer*innenbildung, Lernortkooperationen) sollen miteinander agieren und was bedeutet dies für die Studienorganisation? Was sind qualitätsfördernde Rahmenbedingungen in Zeiten der Digitalisierung für berufs- und wirtschaftspädagogischer Studiengänge?

4. Bildungsprozesse initiieren, begleiten und unterstützen: Hochschuldidaktische Fragestellungen

Was können digitale Technologien/Medien leisten, um forschendes Lernen zu fördern, Kollaboration von Studierenden unter- und miteinander, aber auch mit ihren Dozierenden zu fördern, Reflexionsprozesse von Studierenden zu unterstützen oder Studierende individuell zu fördern? Wie werden digitalisierungsbezogene Kompetenzen entwickelt und praktisch gefördert? Wie verändern digitale Lernstrategien und -methoden die Hochschule und welche sind erfolgreich?

5. Zielgruppe verstehen und fördern: Studierende der Berufs- und Wirtschaftspädagogik

Mit welchen Studierenden werden es die Hochschulen zukünftig zu tun haben? Welche Erfahrungen haben sie in ihrer schulischen und beruflichen Sozialisation bereits mit digitalen Technologien gesammelt und welche Konsequenzen und Implikationen ergeben sich daraus für die Gestaltung berufs- und wirtschaftspädagogischer Studiengänge? Wie müssen digitale Lernmethoden gestaltet sein, um einen Mehrwert für Studierende zu generieren?

 



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