Empirische Erhebung zu gewünschten Inhalten für einen Weiterbildungsstudiengang für Gesundheitsfachberufe.


Autor*in(nen): Balke, Johannes; Busch, Susanne; Herzig, Lita; Käuper, Kristin & Westenhöfer, Joachim
Jahr: 2013
Dokumenttyp: Graue Literatur
Publikationstyp(en): Empirisches Dokument
 
Themen: Anrechnung/Anerkennung, Bedarfsanalyse/Nachfrageanalyse, Curriculumsentwicklung/Modularisierung, Lehrende, Theorie-Praxis-Verzahnung
Projekte: Fit Weiter
 
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Abstract

Der Wandel im Gesundheitswesen stellt die Gesundheitsberufe vor neue Herausforderungen. Um eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu gewährleisten empfiehlt der Wissenschaftsrat (2012) neben akademischer Primärqualifikation auch akademische Nachqualifizierung für Berufserfahrene aus Physio- und Ergotherapie, Logopädie und Hebammenwesen. Das Competence Center Gesundheit (CCG) der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) entwickelt ein interdisziplinäres berufsbegleitendes Studienangebot für diese Gesundheitsfachberufe. Die Curriculumentwicklung wird durch eine Primärdatenerhebung von Stakeholdern dieser Gesundheitsfachberufe unterstützt. Fragestellung & Methode: In Deutschland existieren keine spezifischen Daten zu Bedarfen und Bedürfnissen von Arbeitsmarkt und Studieninteressierten an Studieninhalte. Um den Kompetenzbedarf zukünftiger Absolvierender als Basis eines praxisnahen Curriculums zu ermitteln wird eine dreistufige schriftliche Delphi-Befragung berufstätiger Expertinnen und Experten aus den Bereichen Berufsverband, Wissenschaft, Lehre, Arbeitgebende und Arbeitnehmende durchgeführt. Die Delphi-Methode verknüpft qualitative und quantitative Befragungsansätze und ermittelt iterativ und anonymisiert Expertinnen- und Expertenmeinungen. Die aufbereiteten Ergebnisse der jeweils vorherigen Befragungswelle werden vom selben Expertinnen- und Expertenpanel gewichtet. In der ersten – qualitativen - Delphi-Befragung wird das Expertinnen- und Expertenpanel (N=54) zu aktuellen Herausforderungen in praktischer und interdisziplinärer Tätigkeit befragt. Die Daten werden inhaltsanalytisch nach Mayring ausgewertet. In der zweiten auf diesen Ergebnissen basierenden Befragungswelle gewichtet dasselbe Expertinnen- und Expertenpanel mittels einer vierstufigen Likert-Skala (1 = unwichtig bis 4 = sehr wichtig) allgemeine und fachspezifische Lehr- und Lerninhalte sowie strukturelle Studienkonzepte. Die Auswertung erfolgt mit SPSS. Diese Ergebnisse werden von Lehrenden der Fachwissenschaften reflektiert und in die Modulentwicklung einbezogen. Module des Studienganges werden dem Delphi-Expertinnen- und Expertenpanel in der abschließenden dritten Welle zur Beurteilung vorgelegt. Ergebnisse: Die Response-Rate der ersten Delphi-Befragung liegt bei 89%. Zehn übergeordnete Themenbereiche werden eruiert: Gesprächsführung, Kursangebote, Gesundheit im biografischen Verlauf, Bezugswissenschaften, betriebliches Handeln, Wissenschaft, berufliche Rahmenbedingungen, praktische Herausforderungen, Interdisziplinarität und fachspezifische Inhalte. Ihnen werden 140 berufsgruppenübergreifende und 39 fachspezifische Lehr- und Lerninhalte zugeordnet. Die Response-Rate der zweiten Befragungswelle liegt bei 83%. Berufsgruppenübergreifend weisen in der Kategorie „Lehr- und Lerninhalte“ nach fachspezifischen Inhalten die Inhalte aus dem Bereich „Gesprächsführung, Beratung und Kommunikation“ (M = 3,8; SD = 0,4; M = 3,7; SD = 0,5; M = 3,7; SD = 0,5) die höchsten Mittelwerte auf. In der Kategorie „personale Kompetenzen“ gilt dies für Reflektion über das eigene Können (M = 3,7; SD = 0,5) und vernetztes Denken (M = 3,6; SD = 0,5). Diskussion: Die Ergebnisse der Delphi-Befragungswellen liefern Erkenntnisse zu Wünschen von Berufspraktikerinnen und -praktikern an die Gestaltung eines interdisziplinären Studienkonzeptes. Da diese Daten für die Curriculumentwicklung nicht ausreichen und um die Expertise der Fachwissenschaften ergänzt werden müssen bleibt zu überlegen, ob die Auswahl des Expertinnen- und Expertenpanels in dieser Weise sinnvoll ist. So könnten alternativ in einem ersten Schritt auch die Wissenschaftsdisziplinen befragt werden. Ebenfalls denkbar wäre, mit einer gemeinsamen Fokusgruppendiskussion von Vertreterinnen und Vertretern aus Berufspraxis und Wissenschaftsdisziplinen zu beginnen, die um das Meinungsbild von Berufspraktikerinnen und Berufspraktikern ergänzt wird. Praxisrelevanz: Die Delphi-Methode ist anwendbar, um Einschätzungen einer größeren Berufs- oder Patientengruppe zu einer komplexen Forschungsfrage zu eruieren und anschließend zu quantifizieren. Die Auswahl der Befragten, deren Expertise genutzt werden soll, bestimmt und limitiert gleichzeitig die Ergebnisse und muss daher besonders beachtet werden.

Zitation

Balke, Johannes; Busch, Susanne; Herzig, Lita; Käuper, Kristin & Westenhöfer, Joachim (2013). Empirische Erhebung zu gewünschten Inhalten für einen Weiterbildungsstudiengang für Gesundheitsfachberufe. Hildesheim. Abgerufen von https://www.haw-hamburg.de/fileadmin/user_upload/CC3L/Fit_Weiter/Publikationen_IGV/Publikationen/Poster/HAWK_2013.pdf.






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