Gesundheitliche und pflegerische Versorgung von älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen

Herausgeber_in(nen):  Eiben, Anika; Mazzola, Rosa & Hasseler, Martina
Jahr:2016
Dokumenttyp:  
Publikationsart:  Empirisches Dokument

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Eiben, Anika; Mazzola, Rosa & Hasseler, Martina (2016). Gesundheitliche und pflegerische Versorgung von älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen. Innovative berufsbegleitende Bildungskonzepte für die Praxis gemeinsam gestalten!. Wolfsburg. Online verfügbar.

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Gesundheitliche und pflegerische Versorgung von älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen – Innovative berufsbegleitende Bildungskonzepte für die Praxis gemeinsam gestalten! Anika Eiben (M.A.) , Dr.phil. Rosa Mazzola und Prof. Dr. Martina Hasseler, 14.09.2016, Fachtagung der Forschungsverbünde KeGL und PuG, Wolfsburg Mit der Alterung der Gesellschaft geht die Zunahme an (chronischen) Erkrankungen und komplexen Versorgungsprozessen einher. Die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen gesundheitlichen, sozialen und pflegerischen Versorgung von älteren multimorbiden Menschen sowie Menschen mit Beeinträchtigungen erfordert spezifi-sche Qualifikationen und professionelles Handeln. Um diesem vulnerablen Personenkreis eine qualitativ hochwertige diagnostische, me-dizinische, rehabilitative und pflegerische Versorgung bieten zu können, bedarf es wis-senschaftlich qualifizierter und sektorenübergreifend zusammenarbeitender Akteure im Gesundheits- und Sozialwesen. Dazu gehört ebenso das systematische Evaluieren von Handlungsstrategien. Derzeit kann bereits eine dramatische Mangelsituation in den Pflegeberufen und ein Defizit in der Akademisierung dieser größten Berufsgruppe der Gesundheitsfachberufe festgestellt werden. Für das Jahr 2030 ist für die ambulante und stationäre Pflege von einem Bedarf von 700.000 bis über eine Million Mitarbeiterkapazität auszugehen. Um dem erforderlichen Mehrbedarf an komplexen gesundheitsbezogenen und pflege-rischen Leistungen Rechnung zu tragen, bedarf es verstärkter Anstrengungen im Be-reich der Aus- Fort- und Weiterbildung. Der Wissenschaftsrat kommt in seinen Emp-fehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen zu dem Schluss, dass neue Studienangebote zu entwickeln sind, die insbesondere ausgebilde-ten, erfahrenen Berufstätigen attraktive Möglichkeiten zur akademischen Weiterbil-dung bieten . Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojektes „Aufbau berufsbegleitender Studienangebote in den Pflege- und Gesundheitswissenschaften (PuG)“ wird an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Fakultät Gesundheitswesen, in Wolfsburg, das Studienprofil „Gerontologische Pflege“ in dem berufsbegleitenden Bachelor Studiengang „Angewandte Wissenschaften B.Sc.“ weiterentwickelt sowie eine Erweiterung im Bereich „Gesundheitliche und pflegerische Versorgung von Menschen mit Beeinträchtigungen aus multidisziplinärer Perspektive“ vorgenommen. Das Bildungsprogramm orientiert sich dabei an dem Blended Learning Ansatz. Für die Entwicklung eines solchen Angebotes für berufserfahrene Angehörige der Gesundheitsfachberufe, sind zahlreiche Aspekte zu berücksichtigen. Neben berufsrelevanten Lernergebnissen innerhalb des Curriculums sowie einer zielgruppenangemessenen Studienorganisation sind den Teilnehmenden auch entsprechende Berufsperspektiven zu eröffnen. Die neu zu entwickelten Weiterbildungsangebote zielen ab auf  nicht-traditionelle Studierende (in Bezug auf den Zugang zur Hochschule und die Lernorganisation)  eine raum-zeitliche Flexibilität für die Teilnehmenden bei berufsbegleitendem Angebot  eine für die berufstätigen Teilnehmenden zugeschnittene Lernorganisation un-ter Nutzung moderne Bildungstechnologien  die Verknüpfung von aktuellem wissenschaftlichem Wissen und beruflichem Er-fahrungswissen  die theoretische Reflexion beruflichen Handelns und der Weiterentwicklung beruflicher Handlungskompetenzen. Im Rahmen der Fachtagung der Forschungsverbünde KeGL und PuG wurden innovative berufsbegleitende Bildungskonzepte präsentiert. Exemplarisch wurde innerhalb des Workshops das Erprobungsmodul „Autonomie und Teilhabe“ aus dem Zertfikatsprogramm „Gesundheitliche und pflegerische Versorgung von Menschen mit Beeinträchtigungen aus multidisziplinärer Perspektive“ vorgestellt. Zum einen wurde auf die folgenden Themeninhalte eingegangen: - Behinderung und Beeinträchtigung im Kontext von Autonomie und Teilhabe - Autonomie und Teilhabe in der Versorgung - Das Empowermentkonzept - Besondere gesundheitliche Lage - Modelle und Theorien in der Versorgung - Praxisbezig der Modelle und Theorien Zum anderen wurde auf die Studienstruktur eingegangen, welche in der folgenden Tabelle skizziert wird. Tabelle 1: Studienstruktur des Moduls „Autonomie und Teilhabe“ Phase Zeit Präsenztag 1 Tag Selbstlernphase, Bearbeitung einer Online-Aufgabe 3 Wochen Online-Präsenz 3 Stunden Selbstlernphase, Praxistransfer 4 Wochen Präsenztag 1 Tag Selbstlernphase, Bearbeitung einer Online-Aufgabe 3 Wochen Online-Präsenz 3 Stunden Selbstlernphase bzw. Vorbereitung der Referate 4 Wochen Präsenztag 1 Tag Dokumentationsphase 7 Wochen Quelle: Eigene Darstellung Inwieweit ein solcher Konzeptansatz praxistauglich ist, wurde mit den Teilnehmenden während eines Galeriewalk diskutiert. Drei Fragen waren an drei Stellwänden abgebildet und die Teilnehmenden hatten in drei Gruppen jeweils fünf Minuten Zeit, um über diese Fragen zu diskutieren. An jeder Stellwand wurde die Diskussion durch eine Moderatorin unterstützt und anschließend dem Gesamtplenum präsentiert. Die folgende Fragen wurden diksutiert: 1. Wie sind Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit hochschulischer Weiterbildung? 2. Welche Impulse für den Theorie-/Praxistransfer wünschen Sie sich durch die Hochschule für die Praxis ? 3. Welche Aspekte fördern bzw. hindern den Entschluss für eine hochschulische Weiterbildung? Die Workshopergebnisse in kondensierter Form Zu 1. Wie sind Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit hochschulischer Weiterbildung? Für die Teilnehmenden ist die Hochschule als Ort der Fort- und Weiterbildung weitestgehend unbekannt. Bislang werde kaum ein Bedarf für die hochschulische Weiterbildung seitens der Praxis wahrgenommen. Mehr Transparenz über die hochschulischen Angebote, Themenzentrierung auf die Settings der stationären Langzeitpflege, ambulante Pflege und Klinik sowie kompakte Studiengangsformate in Form von Zertifikaten und Vertiefungsmodulen könnten Abhilfe leisten. Zu 2. Welche Impulse für den Theorie-/Praxistransfer wünschen Sie sich durch die Hochschule für die Praxis ? Die Teilnehmenden betonen die Bedeutsamkeit der Vernetzung zwischen Hochschule und Praxis mit Blick auf neue Handlungsfelder, die zukünftigen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Eine stärkere Anerkennung hochschulischer Weiterqualifizierung in der Praxis wird mit erfahrenen praxisorientierten Referenten in Verbindung gebracht. Zu3. Welche Aspekte fördern bzw. hindern den Entschluss für eine hochschulische Weiterbildung? Als förderliche Aspekte werden Vorbilder, die Anerkennung der erworbenen beruflichen Handlungskompetenzen, flexible Studienformate, eine hohe Theorie-Praxisverknüpfung sowie ein positiver Zeit-Kostenfaktor aufgeführt. Demgegenüber behinderten eine fehlende Transparenz der Hochschulangebote, die Hürde des Hochschulzugangs, der Kostenfaktor eines Studienprogramms, unflexible Arbeitszeitmodelle, die fehlende Berufsperspektive sowie die Angst vor der Technik bei mediengestützten Lernformate den Entschluss, für das Absolvieren einer akademischen Weiterbildung. Ausblick Die Auswertung der Workshop-Ergebnisse rückt den Weiterbildungsort Hochschule in den Mittelpunkt zukünftiger Aufgabenschwerpunkte. Die Evaluation hochschulischer Weiterbildungsformate ist noch stärker auf die Bedarfe „Nicht-traditioneller Studie-renden“ auszurichten. Es sind Strategien zur Überwindung der Zugangshürden zum Weiterbildungsort Hochschule zu prüfen. Ferner gilt es die hochschulischen Weiterbil-dungsthemen unter der Handlungssystematik der Praxis zu evaluieren und den Ver-wertungszusammenhang von Weiterbildungsangeboten für die Praxis transparenter abzubilden. Literatur: 1. Kultusministerkonferenz KMK (2015). Gemeinsamer Bericht der Gesundheitsministerkonferenz und der Kultusministerkonferenz “Fachkräftesicherung im Gesundheitswesen” https://www.kmk.org/dokumentation-und-statistik/beschluesse-und-veroeffentlichungen/wissenschaft-hochschule.html#c2422 (letzter Zugriff 11.10.2016) 2. Wissenschaftsrat (2012). Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesund-heitswesen http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2411-12.pdf (letzter Zugriff 11.10.16) Der Abstractband zur Fachtagung 2016 der Forschungsverbünde KeGL und PuG sowie die Präsentationen und Poster sind online verfügbar unter http://www.kegl.ostfalia.de/tagung16.html. Im Abstractband sind die Präsentationen und Poster zudem verlinkt.






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