Begleitung des Übergangs vom Beruf zum Studium: Potenziale von zertifizierten akademischen Weiterbildungsmodulen


Autor*in(nen): Balke, Johannes; Busch, Susanne; Herzig, Lita; Käuper, Kristin; Westenhöfer, Joachim & Boettcher, Aisha
Jahr: 2015
Dokumenttyp: Beitrag in Herausgeberwerk oder Sammelband
Publikationstyp(en): Theoretisches Dokument
 
Themen: Anrechnung/Anerkennung, Lehrende, Theorie-Praxis-Verzahnung
Projekte: Fit Weiter
 

Abstract

Der projektierte weiterbildende Bachelorstudiengang „Interdisziplinäre Gesundheitsversorgung“ (IGV) an der HAW Hamburg richtet sich an Berufstätige aus Pflege, Hebammenkunde, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Diese unterscheiden sich von traditionellen Bachelorstudierenden u.a. durch Alter, Lebenslauf und Berufserfahrung. Durch die Projektfinanzierung ist Beratungskapazität sichergestellt; gleichzeitig besteht durch die Anbindung des Projekts an das Competence Center LebenslangesLernen (CC3L) und die Kooperation mit dem Familienbüro der HAW Hamburg die Möglichkeit, vorhandene Strukturen und Erfahrungen der Hochschule zu nutzen. Der besondere Beratungsbedarf berufstätiger Studierender kann so sichergestellt werden (vgl. Hanft 2013, Alheit et al. 2008). Zu der Zielgruppe Beschäftigte in Gesundheitsfachberufen liegen bisher kaum Diskussionsbeiträge vor. Parallel zur Einrichtung des geplanten Studienganges (ab WS 2015/ 2016) bietet die HAW Hamburg seit Januar 2014 Interessierten die Möglichkeit, vorab sechs aus dem Modultableau isolierte und vorgeschaltete Zertifikatsmodule (je 5 ECTS) zu besuchen. Diese können als hochschulische Weiter-bildung genutzt werden oder - nach bestandener Prüfungsleistung - auf ein späteres Studium mit insgesamt maximal 30 ECTS angerechnet werden. An den ersten beiden Modulen nahmen insgesamt 24 Interessierte teil. Manche der Teilnehmenden belegten die Module einzeln oder kombiniert als Weiterbildung ohne spätere Studienabsicht. Ein großer Teil ist jedoch an dem geplanten Studiengang interessiert und nimmt das Zertifikatsangebot als eine Gelegenheit wahr, sich der Hochschule anzunähern, das Studieren auszuprobieren und die eigene Studierfähigkeit und den zu erwartenden Workload realistisch einschätzen zu können. Das Projektteam erhält durch direkten Kontakt mit den Studieninteressierten in diesen Zertifikats-modulen einen Einblick in die verschiedenen Weiterbildungsinteressen, beruflichen Lagen und familiären Verpflichtungen, die Affinität zu Software- und Netzwerknutzung etc. Durch die mittels Fragebogen und vertiefenden Interviews zu gewinnenden Daten ist es möglich, die Begleitung des Übergangs eng an Vorstellungen und Problemlagen dieser Zielgruppe auszurichten. Somit ergeben sich bzgl. des Übergangs dieser nicht-traditionellen Studierenden vom Beruf zum Studium folgende Eckpunkte: 1) Anhand der Erfahrungen aus den Zertifikatsmodulen können Begleitangebote für Studieninteressierte nutzerorientiert konzipiert werden. 2) Die Zertifikatsmodule dienen Teilnehmenden als Einblick in die Anforderungen eines Studi-ums und können dazu beitragen, Unsicherheiten in Bezug auf Anforderungen eines Studiums und eigene Studierfähigkeit zu beseitigen. Im Rahmen des ersten Zertifikatsmoduls zeigen sich u.a. bestehende Unsicherheiten in Bezug auf Verständnis professoraler Lehre, Lehrtempo, erwarteter Prüfungsleistungen und Unsicherheit, ob mit neuem Medieneinsatz (z.B. digitale Lernplattformen) im Hochschulstudium umgegangen werden kann. Zertifikatsmodule als Probedurchlauf für ein Studium wahrzunehmen scheint dazu beitragen zu können, diesbezügliche Unsicherheiten auszuräumen und sich für oder gegen ein Studium zu entscheiden. Hilfreich dabei könnte die Diskussionsmöglichkeit der Teilnehmenden untereinander und das entstehende soziale Kapital sein (vgl. Alheit et al. 2008). Die Ergebnisse der Evaluation des ersten Zertifikatsmoduls liegen zum Zeitpunkt der Tagung „Offene Hochschulen“ im März vor. Von Interesse sind dabei u.a. Zufriedenheit mit der Betreuung bei technischen Schwierigkeiten mit digitalem Medieneinsatz, die eigene Einschätzung von Kompetenzzuwachs in verschiedenen Bereichen, Beurteilung der Angemessenheit von Schwierigkeitsgrad, Stoffumfang und Lehrtempo der vermittelten Inhalte sowie die Einschätzung der Nutzbarkeit eines Zertifikatsmoduls in Bezug auf die Entscheidung für oder gegen die Aufnahme eines Studiums. Im Workshop zu diskutieren wäre die Frage, wie Zertifikatsmodule methodisch sinnvoll zur Konzeption von Begleitung und Beratung genutzt und unter welchen Voraussetzungen vorgeschaltete Weiterbildungsangebote als Probedurchlauf für die Entscheidung, ein Studium aufzunehmen, hilfreich sein können.

Zitation

Balke, Johannes; Busch, Susanne; Herzig, Lita; Käuper, Kristin; Westenhöfer, Joachim & Boettcher, Aisha (2015). Begleitung des Übergangs vom Beruf zum Studium: Potenziale von zertifizierten akademischen Weiterbildungsmodulen. In Johannes Balke, Ulf Banscherus, Aisha Boettcher, Susanne Busch, Marko Glaubitz, Katharina Hardt, Simone Herrlinger, Lita Herzig, Wolfgang Jütte, Kristin Käuper, Caroline Kamm, Sabine Lauber-Pohle, Christopher Marx, Birgit Schulte, Joachim Westenhöfer & Andrä Wolter et al. (Hrsg.), Handreichung Gestaltung von Zu- und Übergängen zu Angeboten der Hochschulweiterbildung. (S. 56–63). Abgerufen von: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0111-pedocs-129905.



Link zum Sammelband oder Herausgeberwerk:
Balke, Johannes; Banscherus, Ulf; Boettcher, Aisha; Busch, Susanne; Glaubitz, Marko; Hardt, Katharina; Herrlinger, Simone; Herzig, Lita; Jütte, Wolfgang; Käuper, Kristin; Kamm, Caroline; Lauber-Pohle, Sabine; Marx, Christopher; Schulte, Birgit; Westenhöfer, Joachim & Wolter, Andrä et al. (Hrsg.). (2015).
Handreichung Gestaltung von Zu- und Übergängen zu Angeboten der Hochschulweiterbildung

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