Wissenschaftliche Qualifizierung der Therapieberufe in Deutschland aus Sicht der Arbeitgeber_innen


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Autor*in(nen): Paulicke, Denny; Richter, Robert & Hartinger, Mariam
Jahr: 2017
Dokumenttyp: Beitrag in Herausgeberwerk oder Sammelband
Publikationstyp(en): Empirisches Dokument
 
Themen: Bedarfsanalyse/Nachfrageanalyse, Curriculumsentwicklung/Modularisierung
Projekte: TherFor
 

Abstract

Die komplexer werdenden Versorgungsbedarfe in den Therapieberufen (Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie) bedürfen einer adäquaten, qualitativen Absicherung durch die flächendeckende Integration wissenschaftlicher und interprofessioneller Denk-, Entscheidungs- und Handlungsstrategien. Dazu bedarf es der entsprechenden Entwicklung von (Weiter-)Bildungsstrukturen sowie von Rahmenbedingungen, die die Relevanz für den Arbeitsmarkt und für die gesundheitliche Versorgung darstellen und von Seiten der Arbeitgeber_innen wahrgenommen und unterstützt werden. Die hier vorgestellte Studie des im Rahmen des BMBF-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung – Offene Hochschule“ geförderten Projekts „TherFor“ („Therapeutic Research“) an der IB-Hochschule Berlin ging der Frage nach, welchen Stellenwert wissenschaftliche Qualifikationen und Kompetenzen von Ergo- und Physiotherapeut_innen sowie Logopäd_ innen aus der Perspektive von Arbeitgeber_innen haben und inwiefern sie diese Qualifizierungsmaßnahmen einordnen, wertschätzen und unterstützen. Auf der Grundlage eines kontrastierenden Samplingverfahrens sind Arbeitgeber_innen bzw. Personalverantwortliche in Deutschland mittels qualitativer, leitfadengestützter Experteninterviews befragt worden. In den Ergebnissen ist eine breite Zustimmung zur akademischen Entwicklung der Therapieberufe zu erkennen. Wissenschaftliche Kompetenzen werden vor allem dem akademisch-wissenschaftlichen, administrativen und technisch-diagnostischen Bereich zugeordnet, wobei gleichzeitig keine neuen Arbeitsfelder oder finanzielle Anreize im Praxisfeld generiert werden können. Eine Kompetenzerweiterung durch eine wissenschaftliche Aus- oder Weiterbildung im Bezug zur Patientenversorgung findet aus Sicht der Arbeitgeber_innen kaum statt und spielt daher in Bewerbungs- und Einstellungsverfahren nur eine geringe Rolle. Die allgemeine Unterstützungsbereitschaft der Arbeitgeber_innen für Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ist durchgehend hoch; jedoch stets an erweiterte Leistungserbringung und damit an monetäre Faktoren gekoppelt. Über wissenschaftliche Weiterbildungen existieren weder ein weitreichendes Verständnis bzw. Wissen noch entsprechende Implikationsmöglichkeiten für den Arbeitsalltag. Die Ergebnisse zeigen, dass eine umfängliche strukturelle Eingebundenheit wissenschaftlich fundierter Denk-, Entscheidungs- und Handlungsmuster nur in Ansätzen und vereinzelt als praxisrelevant rezipiert wird. Eine Manifestierung wissenschaftlicher Grund- und Weiterbildung für den Gesundheitsbildungsbereich scheint daher fraglich 138 Denny PAULICKE, Robert RICHTER, Mariam HARTINGER und bedarf entsprechend substantieller wissenschaftlicher Fundierung sowie politischer Rahmung.

Zitation

Paulicke, Denny; Richter, Robert & Hartinger, Mariam (2017). Wissenschaftliche Qualifizierung der Therapieberufe in Deutschland aus Sicht der Arbeitgeber_innen. In Ute Seper (Hrsg.), Bildung in den Gesundheitsberufen Weiter denken. (S. 137-152). Graz: Leykam.






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