Crossing Borders. Offene Hochschulen von morgen gestalten – Perspektiven von der Abschlusstagung der WB und der Förderprojekte 2020 in Kooperation mit dem NOH

Ein Beitrag von Elise Glaß, wissenschaftliche Begleitung, 28.10.2020


Die wissenschaftlichen Begleitung (WB) des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ veranstaltete dieses Jahr in Kooperation mit dem Netzwerk Offene Hochschulen (NOH) die Abschlusstagung mit den Förderprojekten im Wettbewerb. Im Mittelpunkt der internen Arbeitstagung stand das Thema „Crossing Borders. Offene Hochschulen von morgen gestalten“. Ziel war es, den Bund-Länder-Wettbewerb hinsichtlich zentraler Erfolge aber auch Herausforderungen zu reflektieren und Anschlussperspektiven für eine weitere Öffnung der Hochschulen zu schaffen.

Aufgrund pandemiebedingter Einschränkungen fand die Tagung eintägig online am 15.06.2020 statt. Das ursprünglich auf eine Präsenzveranstaltung ausgelegte Tagungskonzept, welches auf Statements und Diskussionen statt Vorträge setzte sowie ergebnisoffene interaktive Formate wie World Café und Bar Camp beinhaltete, wurde in eine digitale Umgebung transferiert – das war auch für die ansonsten digital affinen Akteur*innen der wissenschaftlichen Weiterbildung (wWB) eine der vielen neuen Erfahrungen im turbulenten letzten halben Jahr, wo das ein oder andere technische Ruckeln nicht fehlen durfte. Trotz des ungewohnten Formats und der fehlenden Tischgespräche in Pausen und beim abendlichen Barbecue, bot die Abschlusstagung eine Gelegenheit, den Wettbewerb mit seinen Erfolgen und Herausforderungen und auch den weiteren Weg zur offenen Hochschule unter Einbezug verschiedener Perspektiven diskutieren zu können.

Rückblick: Erfolge und Herausforderungen im Bund-Länder-Wettbewerb

Im ersten Themenblock der Tagung standen die Fragen im Mittelpunkt, welchen Beitrag der Bund-Länder-Wettbewerb geleistet hat, um Grenzen zu überwinden sowie zur Öffnung der Hochschulen beizutragen und welche Herausforderungen sich dabei gezeigt haben.

Den inhaltlichen Einstieg bildeten Statements vom zuständigen Referat im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) », der WB » sowie des NOH. Im anschließenden digitalen World Café tauschten sich die Teilnehmenden an acht virtuellen Tischen zu den Themen Angebotsentwicklung, Forschung, Projektarbeit, Kooperation sowie Organisationsentwicklung mit Bezug zu den Erfahrungen und Erkenntnissen aus der eigenen Projektarbeit aus. Einigkeit bestand weitgehend darin, dass die entwickelten Angebote ohne die Projektförderung in dieser Form niemals hätten realisiert werden können und hierdurch in besonderem Maße neue Zielgruppen angesprochen werden konnten. Die gemachten Erfahrungen werden zudem in zukünftige Programm- und Angebotsentwicklungen einfließen. Zum Teil kam es auch zu positiven Übertragungseffekten in die grundständige Lehre. Eine nachhaltige Strukturentwicklung konnte im Rahmen der Projektlaufzeit jedoch selten angestoßen werden. Hohe Personalfluktuation, Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Lehrenden sowie die strikte Trennung zwischen grundständiger Lehre und wWB wurden als zentrale Herausforderungen benannt.

Übergänge: Verstetigung von Projektergebnissen

Im zweiten Themenblock stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich der Übergang von der Projektförderung in den Regebetrieb gestalten kann und welche Angebote und Strukturen sich bereits etabliert haben.

In der Diskussionsrunde stellten vier Projekte der 2. Wettbewerbsrunde vor, welche Strukturen und Angebote sie jeweils bereits implementieren konnten und welche Herausforderungen sich dabei stellten bzw. mit Blick auf den Übergang in den Regelbetrieb bevorstehen. Die fachliche Bandbreite der Projekte von der musikalisch-ästhetischen Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte (LLLmuBi) über Weiterbildungen zu Museums-, Ausstellungs- und Sammlungswissen (FRAMAS) bis hin zu Zertifikatskursen im Bereich Industrie 4.0 (WiWeiNill) und einem weltweit vernetzten Weiterbildungsstudiengang zu Datenerhebung und Datenanalyse (IPSDS) boten perspektivenreiche Einblicke. Eine positive Signalwirkung auch über das Wettbewerbsende hinaus hatte die bilanzierende Feststellung eines Projektes: „Das Unmögliche wird möglich, wenn man es lange genug versucht.“

Ausblick: Grenzen weiten und überwinden über den Wettbewerb hinaus

Der dritte Themenblock der Tagung widmete sich einem kritischen Ausblick unter der Leitfrage, welche Grenzen weiterhin geweitet oder überschritten werden müssen auf dem Weg zur offenen Hochschule.

Das BarCamp umfasste insgesamt neun Sessions, deren Themenschwerpunkte bereits im Vorlauf der Tagung von den Teilnehmenden eingereicht werden konnten. Die Bandbreite reichte von Fragen der Finanzierung über die Trennung von grundständiger und weiterbildender Lehre bis hin zu Marketing, didaktischen Konzepten und der Weiterbeschäftigung nach Ende der Projektförderung. Auch die neu gegründete AG-OH der DGWF stellte sich in einer Session als Netzwerk für weiteren Austausch und Vernetzung vor. Auf den digitalen Whiteboards zeigten sich vielfältige Diskussionsergebnisse. So wurden basierend aus den Projekterfahrungen unterschiedliche Möglichkeiten des Marketings und der Finanzierung ausgelotet, um Arbeitnehmende für zukünftige Angebote zu gewinnen. Auch die Aussagekraft von Bedarfsanalysen für die Akzeptanz der Angebote wurde hinsichtlich erfolgskritischer Punkte diskutiert. Darüber hinaus wurden Best-Practice-Beispiele für die Portfolio-Arbeit und der Gestaltung digitaler Lernumgebungen geteilt. Strategisch wurden in drei Sessions Szenarien entwickelt, wie Weiterbildung an Hochschulen nachhaltig gestaltet werden kann. In unterschiedlichen Facetten wurde klar, dass zwar täglich kreative Lösungen gefunden werden, um Grenzen zu weiten, langfristig aber nur ein Systemwandel die erforderlichen Veränderungen anstoßen kann. 

Die abschließenden Statements von WB », BMBF » und DGWF » wiesen abschließend aus unterschiedlichen Perspektiven erforderliche Rahmenbedingungen und Gelingensfaktoren für eine weitere Öffnung der Hochschulen aus.

Ein etwas anderer, aber dennoch fulminanter Abschied

Auch wenn die Tagung aufgrund ihres besonderen Formates anders durchgeführt wurde als ursprünglich geplant, war es für die WB eine Herzensangelegenheit, sich bei den Akteur*innen des Bund-Länder-Wettbewerbs für ihre Innovationskraft, ihr Durchhaltevermögen und bisweilen auch ihre Hartnäckigkeit zu bedanken, die allesamt maßgeblich zur Öffnung der Hochschulen beitragen haben. Das gemeinsame, virtuelle Abschlussfoto mit nunmehr über 70 aktiven Webcams brachte nicht nur die Server zum Glühen, sondern signalisierte auch: Wir gehen den Weg zur Öffnung der Hochschulen gemeinsam weiter – vielleicht nicht auf den gleichen Pfaden, aber mit demselben Ziel. Die Reise hat erst begonnen!

Kontakt

Elise Glaß
Mitarbeiterin der wissenschaftlichen Begleitung
FernUniversität in Hagen
E-Mail: Elise.Glass@FernUni-Hagen.de


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