Grenzen (öffnen) bei der Modulentwicklung. Testmodule im Projekt OTH mind im Bereich Digitalisierung

Ein Beitrag von Elena Büechl und Katharina Koller, Projekt OTH mind, 22.04.2020


Digitale Informationen und Abläufe prägen mehr und mehr die zukünftige Arbeitswelt. Für Arbeitnehmer*innen bedeutet dies steigende Anforderungen. Sie müssen sich an dieses sich stetig verändernde Umfeld anpassen. Neben den klassischen Fähigkeiten – wie beispielsweise Adaptionsfähigkeit, Kreativität und Durchhaltevermögen – sind vor allem digitale Grund- und Fachkompetenzen von zentraler Bedeutung.

Das bedeutet auch, dass die Halbwertszeit des Wissens sinkt, während die Bedeutung lebenslangen Lernens steigt. Dadurch nimmt auch der Stellenwert von Weiterbildung an Hochschulen zu. Das Verbundprojekt „OTH mind – modulares innovatives Netzwerk für Durchlässigkeit“ der Ostbayerischen Technischen Hochschulen (OTH) Regensburg und Amberg-Weiden im Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ trägt in diesem Zusammenhang zur Öffnung der Hochschulen bei und baut das Weiterbildungsangebot in Ostbayern aus. In der zweiten Förderphase des Projekts wurden v. a. bedarfsgerechte Angebote mit dem Fokusthema Digitalisierung entwickelt und erprobt.

Pilotierte Module zum Thema Digitalisierung auf Master- und Bachelorniveau

Masterniveau

Blockchain Engineering

Die Blockchain gilt derzeit als eine der vielversprechendsten Technologien der Zukunft und birgt erhebliches Disruptionspotenzial für Wirtschaft und Gesellschaft. Bekannt ist die Blockchain insbesondere als Grundlage für Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether oder Cardano. Ziel des Moduls ist es, die Funktionsweise, Programmierung und die vielfältigen weiteren Anwendungsfelder kennenzulernen sowie die Potenziale der Blockchain für das eigene Unternehmen einschätzen zu können. Die Inhalte können am Ende des Moduls in Form eines Hackathons angewendet werden.

Data Literacy

Die Fähigkeit, Daten richtig zu interpretieren, zu verarbeiten und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen, ist eine Schlüsselkompetenz in der digitalen Wissensgesellschaft. Data Literacy – Datensätze aller Art „lesen“ zu können – gewinnt auch in Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Diese disziplinübergreifende Fähigkeit des planvollen Umgangs mit Daten steht im Mittelpunkt des Moduls. Außerdem vermittelt der Kurs Grundlagen des maschinellen Lernens in Python.

Bachelorniveau

Data Science

Ob in der Industrie oder im Handel – die Menge an digitalen Daten und Informationen nimmt stetig zu. Für Unternehmen in praktisch allen Branchen ist es wichtig, diese Daten effektiv auszuwerten. Dafür braucht es Fachkräfte mit hohen IT-Kompetenzen. Um Fachkräfte im Bereich Data Science fit zu machen, vermittelt das modulare Weiterbildungsangebot „Einführung in Data Science“ Fachwissen aus der Informatik mit quantitativen Methoden und Aspekten der Informationsvisualisierung. Dabei lernen die Teilnehmenden Daten systematisch auszuwerten, Wissen aus den Daten zu extrahieren und die gewonnenen Erkenntnisse anschaulich zu visualisieren.

IT-Sicherheit

Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch das Bedrohungspotenzial durch Cyberattacken in Unternehmen deutlich an. Der Umgang mit diesen Risiken erfordert vor allem ein größeres Bewusstsein für Informations-/Cybersicherheit. Dieses Bewusstsein soll im Rahmen des modularen Weiterbildungsangebots „IT-Sicherheit (Basics)“ geschaffen bzw. geschärft werden. Neben einer Einführung grundlegender Konzepte der Informationssicherheit lernen die Kursteilnehmer*innen auch die Grundlagen kryptographischer Verfahren und deren Anwendung kennen. Außerdem bekommen sie vertiefte Einblicke in Managementsysteme (Informationssicherheits-Managementsystem) genauso wie in Methoden der Risikoidentifikation und -bewertung. Eine Rolle spielen dabei auch grundlegende Konzepte und Prozesse, um in einem Unternehmen die Informationssicherheit aufzubauen, zu überwachen, zu prüfen und laufend zu verbessern. Ebenso wird der sichere Einsatz von Webserver-Installationen erlernt.

Robotik

Heutzutage sind Roboter in industriellen Produktions- und Fertigungsprozessen nicht mehr wegzudenken. Industrieroboter können schnell und mit einer gleichbleibenden Qualität arbeiten. Mit dem zunehmenden weltweiten Trend zur Automatisierung nimmt auch das Einsatzspektrum für Robotertechnik stark zu. Das zweiteilige Modul erklärt den Umgang mit solchen Anlagen.

Alte Grenzen, neue Grenzen

Die neuen Bildungsangebote sind so entwickelt, dass sie in ihrem modularen Aufbau zum Teil örtlich und zeitlich flexibel studierbar sind, Theorie und berufliche Praxis verbinden und zukunftsweisende Weiterbildungsbedarfe decken. Dadurch wird auch neuen Zielgruppen (nicht-traditionell Studierenden) die Teilnahme an den Angeboten ermöglicht – etwa Berufstätigen, Personen mit Familienpflichten oder auch Personen ohne Abitur.

Auch wenn sich die Grenzen der Hochschulen in diesem Rahmen öffnen, galt es hinsichtlich der Pilotierungsphase einige neue Hürden zu nehmen. Vor allem Weiterbildungseinrichtungen in ländlichen Räumen, wie z. B. Ostbayern, stehen vor der Herausforderung, bei der Modulentwicklung die Balance zwischen hochspezialisierten und inhaltlich breit angelegten Angeboten zu finden. Zwar ist die Nachfrage hoch – bei Unternehmen und Arbeitnehmenden besteht nachgewiesen ein hoher Weiterbildungsbedarf im Bereich Digitalisierung[1] – jedoch können im ländlichen Raum lediglich bis zu einem gewissen Grad ausdifferenzierte Angebote aufgelegt werden. Grund dafür ist ein geringeres Interesse an hochspezialisierten Angeboten außerhalb von Ballungsräumen bzw. in dünn besiedelten Gebieten. Deswegen müssen inhaltlich vielfältige Angebote entwickelt werden genauso wie ein Modulsystem, das verschiedene Niveau-Stufen zulässt. Nur so können ausreichend Teilnehmende gewonnen werden.

Eine weitere Herausforderung, vor der viele Weiterbildungseinrichtungen stehen: Die Rekrutierung von geeigneten Dozierenden für die Lehre in der Weiterbildung. Sie sind entscheidend, um den Erfolg und den Fortbestand des entwickelten Programms zu sichern.

Eine Strategie zur Sensibilisierung und Gewinnung von Dozierenden für die wissenschaftliche Weiterbildung ist die gezielte persönliche Ansprache. Hierzu wurde ein Leitfaden ausgearbeitet. Dieser beinhaltet eine Strategie mit zentralen Aspekten zur Ansprache potenzieller Dozierender, sowie einen Gesprächsleitfaden für ein Erstgespräch.[2]

Eine weitere Idee ist es, einen Stellenmarkt für Weiterbildung zu schaffen. Ein Onlineportal könnte über mögliche Lehraufträge und geplante (Studien-)Angebote der wissenschaftlichen Weiterbildung informieren. Hochschulinternen und Externen erhielten so die Möglichkeit, dauerhaft die potentiellen Beteiligungsmöglichkeiten an der Weiterbildung einzusehen und sich dafür zu melden.[3]  

„Crossing Borders“?

Durch die Projektförderung des Bund-Länder-Wettbewerbs konnte bereits ein Anstoß zur Grenzöffnung gegeben werden und der Überwindung einiger der größten Grenzen – die Hochschulen für neue Zielgruppen zu öffnen – sind wir in dieser Projektphase ein Stück nähergekommen. Die Arbeit ist damit aber nicht getan, denn in diesem Prozess entstehen immer wieder neue Herausforderungen. In der Projektlaufzeit konnten wir lernen: Das Überwinden jeder Grenze bedeutet einerseits Erkenntnisgewinn und andererseits Fortschritt in der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Weiterbildung.

Für weitere Informationen und Kontakt zu OTH mind: https://www.oth-regensburg.de/weiterbildung/oth-mind.html und https://www.oth-aw.de/oth-mind/




[1] KfW Research (2020): Mangel an Digitalkompetenzen bremst Digitalisierung des Mittelstands – Ausweg Weiterbildung? Online unter: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2020/Fokus-Nr.-277-Februar-2020-Digitalkompetenzen.pdf (Zuletzt aufgerufen: 12.02.2020).

[2] Hierzu siehe auch: Koller, Katharina & Gschrey, Bernhard (2020): „Wieso sprechen wir Sie heute an?“ – Ein Leitfaden zur Sensibilisierung und Gewinnung von Dozierenden für die wissenschaftliche Weiterbildung. In Wagner, O.; Vorberg, R., Schmitz, E., Wilkesmann, U. [Hrsg.]: Strategien der Motivierung und Rekrutierung von Lehrenden in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Handreichung der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“, S. 6-12.

[3] Hierzu siehe auch: Raecke, Kai (2020): Dozierendenakquise für die wissenschaftliche Weiterbildung – Die Idee eines Stellenmarktes für die Weiterbildung an Hochschulen. In Wagner, O.; Vorberg, R., Schmitz, E., Wilkesmann, U. [Hrsg.]: Strategien der Motivierung und Rekrutierung von Lehrenden in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Handreichung der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“, S. 28-31.