Der Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Akkreditierungsrates Dr. Olaf Bartz im Interviewgespräch zum Thema: Akkreditierung und wissenschaftliche Weiterbildung

Von Olga Wagner und Uwe Wilkesmann, wissenschaftliche Begleitung

Das Inkrafttreten des neuen Studienakkreditierungsstaatsvertrags (StAkkrStV) am 01.01.2018 und die dazu von der Kultusministerkonferenz (KMK) erarbeitete Musterrechtverordnung (MRVO) geben Anlass dazu, sich auch mit Fragen zu befassen, die die Akkreditierung wissenschaftlicher Weiterbildung (wWB) und die damit verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten betreffen. Aus diesem Grunde haben wir von der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ Dr. Olaf Bartz, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Stiftung des Akkreditierungsrates, um ein Interviewgespräch und seine Experteneinschätzung zum Thema „Akkreditierung und wissenschaftliche Weiterbildung“ gebeten. Der Beitrag bietet Einblicke in die Arbeit des Akkreditierungsrates sowie der Akkreditierungsagenturen und die Berücksichtigung der wWB im Rahmen von Akkreditierungsverfahren. Der Fokus liegt zum einen auf der Betrachtung der wWB im Vergleich zu grundständigen Angeboten der Hochschulen und zum anderen, inwieweit die wWB bei Verfahren von Systemakkreditierungen (mit-)einbezogen wird bzw. welche Vorteile sowie Nachteile sich hierfür im (vergleichenden) Hinblick auf Programmakkreditierungsverfahren ergeben können. Zum Abschluss werden die Rolle und die (neuen) Aufgaben der Akkreditierungsagenturen sowie die zukünftige Zusammenarbeit der Agenturen mit dem Akkreditierungsrat aufgegriffen.

Dr. Olaf Bartz

Dr. Olaf Bartz ist seit 2013 Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Stiftung Akkreditierungsrat.

Nach seinem Studium der Fächer Chemie (Vordiplom), Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln beschäftigte er sich in seiner Dissertation mit der Rolle des Wissenschaftsrates, dem wissenschaftspolitischen Beratungsgremium und der Hochschulplanung in den Jahren zwischen 1957 und 1975 (Bartz, 2006). Bevor Bartz die geschäftsführende Position im Akkreditierungsrat übernahm, arbeitete er für mehrere Jahre im Wissenschaftsrat an der Gestaltung und Durchführung der Akkreditierung privater Hochschulen.

Unterschiede in der Akkreditierung von grundständigen und weiterbildenden Angeboten

Gibt es Ihrer Meinung nach nennenswerte Unterschiede in der Akkreditierung von grundständigen und weiterbildenden Angeboten der Hochschulen?

Der Ansatz bei der Erstellung der Regeln zur Akkreditierung, wie er in den letzten 15 Jahren relativ konstant verfolgt wurde, war es, so wenige Sonder- und Spezialregeln wie möglich aufzustellen. Es sollte ein allgemein gehaltenes Regelset geschaffen werden, das alle Studienformen und Studienformate einschließt, darunter Weiterbildungs-, Fern-, E-Learning-, Präsenz- und duale Studiengänge. Daher sollten auf der Regelwerksebene keine nennenswerten Unterschiede bei der Akkreditierung von grundständigen und konsekutiven Studiengängen auf der einen und weiterbildenden Studiengängen auf der anderen Seite vorkommen.

An dieser Stelle ist zu berücksichtigen, dass bis Ende 2017 der Akkreditierungsrat eine Aufsichts- und Regulierungsbehörde war. Die Akkreditierungsverfahren und die Akkreditierungsentscheidungen lagen in der Verantwortung der Agenturen. Der Akkreditierungsrat hat einzelne Akkreditierungen nur punktuell näher betrachtet, bspw. im Rahmen seines Überwachungsauftrags. Durch die Übertragung der Akkreditierungsentscheidung auf den Akkreditierungsrat wird dieser aber in Zukunft all jene Fälle bearbeiten, in denen es (auch) um die Akkreditierung von Studiengängen der wissenschaftlichen Weiterbildung (wWB) geht.

Allerdings sollten und sollen die jeweiligen Spezifika der Studiengänge in den jeweiligen Begutachtungen Berücksichtigung finden und die Ausgestaltung der Begehung sowie die Urteilsfindung entsprechend hierauf zugeschnitten sein. Wir haben bereits 2010 als Akkreditierungsrat eine Handreichung zu Studiengängen mit besonderem Profilanspruch (Akkreditierungsrat, 2010) veröffentlicht. Unter den Begriff „besonderer Profilanspruch“, der in Akkreditierungen verwendet wird, fallen auch die weiterbildenden Studienformate[1]. In dieser Handreichung ist festgehalten, dass Besonderheiten dieser Studienformate im Rahmen der allgemeinen Regeln zu berücksichtigen sind. Dieser Satz ist auch im neuen Regelwerk enthalten.

In den letzten Jahren haben wir uns punktuell einzelne Schwerpunktthemen angesehen, darunter z. B. Joint Programmes, Reakkreditierungen und Auflagengestaltung, aber wir haben leider noch keine explizite Untersuchung zur wWB vorgenommen.

Die Besonderheiten von Studienprogrammen der wWB stehen aber immer im Fokus der Akkreditierungsverfahren. Hier bieten die allgemeinen Regelungen Auslegungsspielräume, innerhalb derer die spezifischen Ziele von Weiterbildungsangeboten berücksichtigt werden können. Beispielsweise gilt die Sollvorgabe, dass Module einen Mindestumfang von 5 ECTS-Punkten haben sollten; für berufsbegleitende weiterbildende Masterstudiengänge können aber kleinere Modulgrößen didaktisch durchaus Sinn machen, wenn dadurch den Studierenden die Planung der eigenen Lernzeiten erleichtert und ihnen gleichzeitig eine kontinuierliche Kontrolle des eigenen Studienerfolgs ermöglicht wird. Bei Vorliegen eines entsprechenden, nachvollziehbar begründeten Studiengangkonzeptes kann dies also bei der Akkreditierung mit in Betracht gezogen werden.

Wissenschaftliche Weiterbildung in systemakkreditierten Hochschulen

Können Sie Beispiele von Hochschulen benennen, welche bereits systemakkreditiert sind und Weiterbildungsstudiengänge in die Systemakkreditierung inkludieren?

Weiterbildungsstudiengänge werden inzwischen an der großen Mehrheit der deutschen Hochschulen angeboten, wenn auch in unterschiedlichem Umfang. Damit sind sie in vielerlei Hinsicht bereits jetzt Teil der Systemakkreditierungen. Soweit ich es für die bereits vorliegenden Gutachten der Agenturen zu existierenden Systemakkreditierungen überblicken kann, gibt es zudem mindestens zwei Hochschulen, die vertiefend den Schwerpunkt Weiterbildung im Rahmen ihrer Akkreditierung gelegt haben: Die Technische Hochschule Ingolstadt (THI) hat ihr Institut für Akademische Weiterbildung (IAW) das Verfahren der Teilsystemakkreditierung durchlaufen lassen und die Hochschule Wismar wurde zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft WINGS-Fernstudium GmbH systemakkreditiert.

Darüber hinaus sind einzelne Studiengänge aus dem Bereich der Weiterbildung, die neben einem großen Anteil an Präsenzstudiengängen angeboten werden, bisher in den vorliegenden Systemakkreditierungsgutachten nicht weiter aufgefallen. Dazu muss aber gesagt werden, dass die bereits existierenden Systemerstakkreditierungen noch nicht allzu lange zurückliegen. Bei der System-Erst-Akkreditierung dieser Hochschulen ging es vorrangig um die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des Qualitätsmanagementsystems (QM-System). In den Stichproben innerhalb der Systemakkreditierungsverfahren konnten zwar auch Studienangebote aus dem Bereich Weiterbildung oder für die Weiterbildung wichtige Kriterien behandelt werden, dies war aber nicht systematisch vorgesehen. Allerdings können dann in den Reakkreditierungsverfahren die spezifischen Bereiche wie z. B. Joint Programmes oder wWB weit intensiver behandelt werden, da das allgemeine Qualitätsmanagementsystem ja bereits eingespielt ist und begutachtet wurde.

Das Thema wWB in der System(re-)akkreditierung könnte mittelfristig ein interessantes Thema für eine vertiefte Analyse werden, wie sie der Akkreditierungsrat im Rahmen seiner Berichtspflicht an die Länder voraussichtlich auch zukünftig durchführen wird.

Für die Weiterbildung wäre es interessant, ein QM-System zu haben, welches externe Faktoren bzw. externe Akteur*innen in das interne Qualitätsmanagement miteinbezieht. In welcher Form ist dies in Hinblick auf die Systemakkreditierung denkbar?

Bei der Systemakkreditierung muss ganz allgemein nachgewiesen werden, dass in die Entwicklung und den Betrieb des internen QM-Systems externe Expertise einbezogen wird. In Bezug auf den Bereich der Weiterbildung wäre eine von vielen möglichen Vorgehensweisen für systemakkreditierte Hochschulen die Bildung eines Beirates aus externen Personen zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung von weiterbildenden Studienangeboten. Tatsächlich ist eine Beiratsstruktur in Systemakkreditierungen eines der hauptsächlich verwendeten Modelle, neben dem Nachbau der klassischen Abläufe aus der Programmakkreditierung.

Die wWB ist an deutschen Hochschulen zum Teil zentralisiert oder/und in ausgegründeten Einheiten organisiert. Wie verhält es sich im Hinblick auf diese (autonomen) Organisationseinheiten mit Teilsystemakkreditierungen?

Sowohl im alten wie im neuen Rechtssystem gibt es die Möglichkeit der Teilsystemakkreditierung. Es können einzelne Institute, Fakultäten oder Anbieter innerhalb einer Hochschule eine solche Teilsystemakkreditierung erlangen, wenn sich die Gesamteinrichtung (noch) nicht auf den Weg machen möchte – wie im bereits erwähnten Beispiel der Teilsystemakkreditierung des IAW an der TH Ingolstadt.

In der wWB haben wir nicht nur Studiengänge, sondern eine Vielzahl von Formaten unterhalb von Studiengängen, so z. B. Zertifikatsangebote. Wird dieser quantitativ relativ große Bereich im Rahmen der Systemakkreditierung in irgendeiner Weise mitbedacht?

Bisher war dieser Bereich in der Systemakkreditierung noch nicht mitgedacht. Es könnte aber vor allem bei anstehenden Reakkreditierungen für einzelne Hochschulen eine größere Rolle spielen; diese Hochschulen könnten die Qualitätssicherung ihrer Zertifikatsangebote mitbegutachten lassen. Der Akkreditierungsrat hat immer begrüßt, wenn im Rahmen von Systemakkreditierungen auch weitere Leistungsbereiche jenseits der Bachelor-/Master-Studiengänge einbezogen wurden – ob Staatsexamina, Forschung, Verwaltung – und das gilt genauso für Angebote unterhalb von Studiengängen. Darüber hinaus kann man feststellen, dass wir aus dem Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ diesbezügliche Diskussionsanfragen vorliegen haben und uns auch aktiv in verschiedene Arbeitskreise, in denen dieses Thema zur Sprache gebracht wird, einbringen.

Systemakkreditierung vs. Programmakkreditierung?

Bei einem Vergleich von System- und Programmakkreditierung: Welche jeweiligen Vor- bzw. Nachteile in Bezug auf die wWB können Sie Ihrer Einschätzung nach hier benennen?

Es kommt wie so oft auf die individuelle Situation an. Programmakkreditierungen können Vorteile haben, wenn relativ spezielle Tatbestände vorliegen, zu denen an der Hochschule selbst nicht so viel Expertise vorhanden ist. Insbesondere im Bereich der Joint Programmes, die durch den internationalen Charakter regulierungstechnisch besonders herausfordernd sind, stellen wir fest, dass auch systemakkreditierte Hochschulen durchaus noch auf die Programmakkreditierung zurückgreifen.

Es gibt einzelne Agenturen, die sich im Bereich Joint Programmes besonders gut auskennen. Für die Qualitätssicherung dieser Programme kann es daher von Vorteil sein, in der Begutachtung institutionelle externe Expertise hinzuzuziehen. Diese Herangehensweise könnte auch für die wWB interessant sein, wenn eine Hochschule dieses Format nicht im Kern oder als einen zentralen Schwerpunkt betreibt. Systemakkreditierungen haben natürlich immer den Vorteil, dass im eigenen Haus die Wege kürzer sind. Dafür muss die Expertise dann aber auch vorhanden sein. Oft ist dies eine Frage der Finanzen.

Sollen Weiterbildungsstudiengänge programmakkreditiert werden, bietet sich gegebenenfalls auch eine Bündelakkreditierung dieser Studiengänge an, sofern sie auch eine hohe fachliche Nähe aufweisen. In solchen Bündelakkreditierungen lassen sich für die Hochschulen Kosten sparen.

Die (neue) Rolle der Akkreditierungsagenturen

Welche Herausforderungen ergeben sich aus der Zusammenarbeit des Akkreditierungsrates und der Agenturen?

Im bisherigen System war eine der Herausforderungen, dass die derzeit zehn Agenturen auf Basis des geltenden Regelwerks dennoch unabhängig voneinander Akkreditierungsentscheidungen treffen. Teilweise wurde in der Hochschullandschaft Unmut darüber geäußert, dass die Entscheidungen je nach Agentur unterschiedlich ausfallen würden.

Vor kurzem haben wir die Ergebnisse einer Untersuchung der ca. 1.200 letzten Auflagen der Agenturen vorgenommen und konnten dort tatsächlich feststellen, dass es voneinander abgrenzbare Entscheidungskulturen oder Entscheidungspraktiken in den einzelnen Agenturen gibt (Akkreditierungsrat, 2018). Dabei haben wir eine Agentur, welche in fast 100 Prozent aller Studiengänge Auflagen erteilt hat, eine andere in nur 50 Prozent und der Rest sortiert sich irgendwo dazwischen ein. Diese Betrachtungen lassen sich nicht (mehr) mit Strukturmerkmalen erklären. Bei dieser Untersuchung haben wir keine Strukturmerkmale von Studiengängen, also Fakultätszugehörigkeit oder Studienformat, berücksichtigt und können deshalb keine direkten Rückschlüsse auf die wWB ziehen. Der Erkenntniswert lässt sich mit dem Einbezug dieser Merkmale nochmal sicherlich erhöhen.

Da im neuen System die Akkreditierungsentscheidungen vom Akkreditierungsrat getroffen werden, wird es aber zukünftig eine höhere Konsistenz bezüglich der Akkreditierungsbeschlüsse geben.

Im alten System waren die Agenturen eher ‚Gatekeeper‘, jetzt sind sie mehr Begleitende im Systemakkreditierungsprozess und haben damit eine etwas andere Funktion. Wird sich die Rolle der Agenturen jetzt verändern?

Ja, aber gerade in der Systemakkreditierung begleiten und begutachten sie weiterhin. Ich nutze jetzt die Gelegenheit, um ein Missverständnis anzusprechen, welches in den letzten zwölf bis 24 Monaten entstanden ist. Zu hören war verschiedentlich, dass die Agenturen in die Rolle von Beratenden hineinwachsen würden. Der Begriff ‚Begleiter‘, für den ich mich bedanken möchte, ist an dieser Stelle jedoch viel passender. Dies ist deshalb der Fall, weil wir in den Europäischen Hochschulraum bzw. in die Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area (ESG), die Verständigung über Grundprinzipien interner und externer Qualitätssicherung in Europa, eingebunden sind. Dort wird relativ scharf getrennt zwischen tatsächlicher Begutachtung, im Sinne einer erfolgten Qualitätsbewertung, und Beratung als etwas individuell Verabredetem und gesondert Vergütetem. Demgegenüber erfolgen Qualitätsbewertungen nach festgelegten Regeln mit einem unabhängigen Qualitätsurteil, und sie bleiben als Aufgaben der Agenturen bestehen. Diese sollen nach festgelegten Verfahrensweisen unabhängige Qualitätsurteile treffen und sich nicht zugleich individuell für den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems und entsprechende Beratungsdienstleistungen vergüten lassen. Das sind zwei verschiedene Aspekte: Zum einen würde hier eine Hochschule eine bestimmte Dienstleistung bei der Agentur anfragen, und zwar die Hilfe beim Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems, das wäre dann eine Beratung. Was wir zum anderen bei der Systemakkreditierung in Begleitung durch die Agenturen haben, ist dagegen eine unabhängige Bewertung eines Qualitätsmanagementsystems, bei der natürlich auch Ratschläge gegeben werden. Diese zwei Aspekte müssen getrennt werden. Insofern sind die Veränderungen nicht so drastisch.

Gibt es Agenturen, die sich im Bereich der wWB spezialisiert haben bzw. diesen sozusagen stärker im Blick haben?

Spezialisierte Agenturen kann ich leider nicht benennen, aber einige Agenturen (z. B. Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA) und die Evaluationsagentur Baden-Württemberg (evalag), ohne Anspruch auf Vollständigkeit) haben einen Geschäftsbereich, der zwar nicht spezifisch die wWB umfasst, welcher aber die Bewertung von einzelnen Angeboten unterhalb der Studiengangebene, z. B. in Bezug auf die Niveaustufen des deutschen Qualifikationsrahmens (DQR), vornimmt. Darunter werden Angebote, die grundsätzlich z. B. auf Stufe fünf, sechs oder sieben des DQR einzusortieren sind und nicht als offizieller Studienabschluss gelten, sondern die häufig im Zertifikatsbereich liegen, zertifiziert. Es handelt sich bei dieser Praxis aber (noch) um kein Massenphänomen.

Wie sind im Rahmen der Systemakkreditierung die Beziehungen zwischen Akkreditierungsrat, Hochschule und den Akkreditierungsagenturen?

Im neuen System bedienen sich die Hochschulen einer Agentur, um sich mit Blick auf die Systemakkreditierung begutachten zu lassen. Die Agenturen führen den Begutachtungsprozess durch und verfassen einen Akkreditierungsbericht (ehemals Gutachten). Dieser besteht im Wesentlichen aus dem Gutachten, mit dem die Hochschulen dann, hinzukommend mit einem Antrag auf Systemakkreditierung, an den Akkreditierungsrat herantreten. Der Akkreditierungsrat überprüft diesen Antrag und entscheidet auf der Basis der eingereichten Unterlagen und gegebenenfalls weiteren Informationen positiv oder negativ über diesen Antrag. Dieser Akkreditierungsbericht wird bei einer endgültigen Entscheidung veröffentlicht.

In der Folge gibt es dann eine Beziehung zwischen den systemakkreditierten Hochschulen und dem Akkreditierungsrat dahingehend, dass die systemakkreditierten Hochschulen ‚Selbstakkreditierungsrechte’ erhalten. Das ist kein offizieller Begriff, beschreibt aber de facto die (Handlungs-)Realität. Der Vorteil der Systemakkreditierung kann für die Hochschulen darin liegen, dass diese ihre Programmakkreditierung selbst übernehmen (Selbstakkreditierungsrechte). Für die Weiterbildung bzw. für die eigenen Weiterbildungsstudiengänge könnte das je nach Ausgestaltung des QM-Systems eine Zeitersparnis bedeuten, denn das Durchlaufen eines internen Audits bei der Errichtung eines neuen Weiterbildungsstudiengangs ist (formal) ausreichend und muss bei dem Akkreditierungsrat lediglich zur Erfassung in die Datenbank gemeldet werden.

Die Akkreditierungsinformationen zu den angebotenen und selbstakkreditierten Studiengängen müssen in unserer Datenbank laufend gepflegt werden. Die systemakkreditierten Hochschulen werden von uns freigeschaltet und müssen die Einträge selbst überprüfen. Insofern sind wir hier auf der technischen Ebene mit den Hochschulen laufend verbunden und unterstützend tätig. Der Akkreditierungsrat hat hier keinen Akkreditierungsauftrag mehr und übernimmt hier nur die Prüfung der Einhaltung der formalen Korrektheit des Eintrags, die in erster Linie der Pflege des Informationsangebots dient. Es entstehen keine Kosten mehr für die Hochschule. Im internen Audit sind die systemakkreditierten Hochschulen darin frei, Prozesse und Mechanismen zur Organisation der Qualitätsbeurteilung zu definieren, sowohl für neueinzurichtende wie auch für Bestandsstudiengänge.

Es sind einige Rahmenregeln zu beachten, wie z. B. die externe Beteiligung relevanter Statusgruppen und die Durchführung einer unabhängigen Qualitätsbewertung. Ob eine Programmakkreditierung nachgebildet wird oder ein Beiratsmodell oder eine Mischform Anwendung findet und in welcher Weise Gremien beteiligt werden oder Justiziariate eingebunden werden, ist den Hochschulen überlassen. Dafür haben diese eine Reihe von Stellschrauben, die sie frei definieren können. Es gibt hier partizipative Modelle, in denen alle Statusgruppen mehr oder weniger gleich beteiligt sind, bis hin zu hierarchischen Modellen, in denen das Rektorat entscheidet. Es ergeben sich daraus unterschiedlichste Herausforderungen, je nachdem, wie diese Prozesse gestaltet werden.

Für diesen Herbst ist ein Expert*innen-Workshop zu wWB in Kooperation mit einschlägigen Partner*innen anvisiert. Wir haben Personalzuwachs bekommen, und einer der neuen Referenten, Herr Ulf Schöne, wird sich der wWB annehmen. Damit gibt es erstmals eine personelle Zuständigkeit für dieses Thema bei uns im Haus.

Vielen Dank für das Interview!

Literatur

Akkreditierungsrat (2010). Handreichung der AG „Studiengänge mit besonderem Profilanspruch“. Beschluss des Akkreditierungsrates vom 10.12.2010 i. d. F. vom 10.12.2010 Drs. AR 95/2010. URL: http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/AR/Beschluesse/AR_Handreichung_Profil.pdf (19.03.2019)

Akkreditierungsrat (2018). Bericht der Querschnittsprobe „Auflagen“. Drs. AR 56/2018. URL: http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/AR/Veroeffentlichungen/Berichte/Bericht_Auflagenstichprobe_final.pdf (19.03.2019)

Bartz, Olaf (2006). Wissenschaftsrat und Hochschulplanung. Leitbildwandel und Planungsprozesse in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1957 und 1975. Dissertation, Universität zu Köln.



[1] Auf der 20. Plenumstagung des Gutachter*innen-Netzwerks in Hagen am 12.09.2018, stellt Dr. Olaf Bartz in seinem Vortrag: Der neue Rechtsrahmen der Akkreditierung & Was bedeutet „besonderer Profilanspruch“? vor, wie in den neuen rechtlichen Vorgaben der ‚besondere Profilanspruch‘ Berücksichtigung findet.


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