Ansätze zur nachhaltigen Implementierung von Förderprojekten an der Universität Freiburg am Beispiel von museOn | weiterbildung und netzwerk

Ein Beitrag von Ilka Backmeister-Collacott, Dorthe Hutz-Nierhoff, Sonja Thiel und Nicole Wöhrle, Projekt FRAMAS, 24.10.2018


Als wissenschaftliches Weiterbildungsprogramm der Freiburger Akademie für Museums-, Ausstellungs- und Sammlungswissen (FRAMAS) der Universität Freiburg dient museOn | weiterbildung & netzwerk der individuellen und zielgerichteten Professionalisierung von Museumsfachleuten und assoziierten Berufsgruppen. Als Projekt wird FRAMAS seit Ende 2014 vom BMBF im Rahmen der 2. Wettbewerbsrunde des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ gefördert. Um ein inhaltlich vielfältiges Programm anzubieten, das den relevanten Arbeitsbereichen und Aufgaben innerhalb von Museen und Sammlungen sowie vergleichbaren Einrichtungen gerecht wird, wurde für das „Museum Studies“-Programm ein flexibel studierbares modulares Baukastensystem konzipiert, das sowohl die tiefergreifende Auseinandersetzung mit zentralen Themenbereichen der Museums- und Kulturarbeit, aber auch die Beschäftigung mit relevanten Einzelthemen ermöglicht.

Modulares Baukastensystem

Das Konzept des Modulbaukastens ist ein Lernenden zentrierter Ansatz, der von den Lernenden, nicht von den Lehrenden ausgeht. Anstelle eines vorgegebenen linearen Lernwegs erhalten die Lernenden die Möglichkeit, sich ihre Module aus dem Angebots-Pool selbst zusammenzustellen, indem sie bedarfsorientiert und zielgerichtet diejenigen Teilmodule auswählen, die sie individuell benötigen. Inhalte, die von Interessenten als bereits bekannt bzw. für die eigenen beruflichen Ziele als weniger relevant betrachtet werden, können so vernachlässigt werden.

Die Kurse sind in sich abgeschlossen und einzeln studierbar. Darüber hinaus können sie durch vielfältige Kombinationsmöglichkeiten mit einem Weiterbildungszertifikat der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg nach dem SwissUni-Modell abgeschlossen werden.

Die Kleinteiligkeit des Lernangebots schafft Freiheiten für die Lernenden[1] und geht mit positiven Effekten auf Motivation und Lernbereitschaft einher.

Jeder der 7 Themenbereiche (Module) beinhaltet eine Reihe von Teilmodulen, die jeweils einem zeitlichen Lernaufwand von 25-30 Stunden (=1 CP) entsprechen. Die Lerninhalte der Module bzw. Teilmodule bauen nicht inhaltlich aufeinander auf und können daher in beliebiger Reihenfolge studiert werden. Als Orientierungshilfe für die Studieninteressenten werden z. T. die Attribute „Basismodul“ bzw. „Vertiefungsmodul“ vergeben.

Bislang wurden 40 Teilmodule im Blended-Learning-Format entwickelt, getestet, evaluiert und auf Basis der ersten Erfahrungen überarbeitet. Weitere 15 Teilmodule befinden sich momentan in der Konzeptionsphase. Um das Angebot weiterzuentwickeln, wird in Zusammenarbeit mit Museen und Volontär_innen eine Profillinie für Volontär_innen an Museen und Kultureinrichtungen erprobt, die das Museumsvolontariat im Einklang mit den im Leitfaden für das wissenschaftliche Volontariat im Museum (2018; Hrsg.: Deutscher Museumsbund e. V.) formulierten Inhalten ergänzen kann. Außerdem werden das Angebot und der Modulbaukasten durch weitere Profillinien und Lernpfadempfehlungen geschärft.

Abbildung 1: Modulbaukasten „Museum Studies“

Abbildung 1: Modulbaukasten „Museum Studies“

Erprobung der Tragfähigkeit durch vorzeitige Markteinführung

Bereits früh fiel die Entscheidung, die bereits evaluierten Teile des Angebots am Weiterbildungsmarkt zu platzieren und gegen Gebühr anzubieten. So werden schon seit Ende der ersten und verstärkt in der im Frühjahr 2018 angelaufenen zweiten Förderphase Erfahrungswerte über die tatsächliche Nachfrage an konkreten Inhalten, über den Bedarf an konkreten Weiterbildungsabschlüssen vs. der Möglichkeit einer Einzelkursbuchung sowie über die Teilnehmendenstruktur gesammelt. Diese werden zugleich in die Entwicklung der noch ausstehenden Module einfließen. Dieses Vorgehen birgt zum einen die Chance, noch vor der letztendlichen Überführung des Projekts in den Regelbetrieb Anpassungen im Hinblick auf die Marktfähigkeit des Angebots vornehmen zu können, zum anderen die Möglichkeit, mit belegbaren Zahlen auf potenzielle außeruniversitäre Kooperationspartner_innen zuzugehen.

In der Zusammenschau aller relevanten Faktoren und Stakeholder wird in den kommenden Monaten ein tragfähiges Geschäftsmodell zur Verstetigung von museOn innerhalb und/oder außerhalb der Universität erarbeitet und diskutiert werden.

Synergiekonzept für den technischen Support

Die Möglichkeiten der Digitalisierung bergen für Weiterbildungsangebote deshalb ein großes Potenzial, da sich Lehrinhalte in digitaler Form aufbereiten und bereitstellen lassen und darüber hinaus der Einsatz webgestützter Kommunikationswerkzeuge wie Foren und virtuelle Klassenzimmer Distanzen zur Betreuung der Teilnehmenden mühelos überbrücken kann. Dem Anspruch lebenslangen Lernens, sich überall und jederzeit weiterbilden zu können, werden digitale oder Blended-Learning-Angebote besonders gerecht. Die große Herausforderung der Hochschulen, Angebote für das lebenslange Lernen aufzubauen und nachhaltig anzubieten, besteht einerseits in der Inhaltsaufbereitung, aber auch in der Bereitstellung einer adäquaten technischen Infrastruktur, die ein intuitives Lernerlebnis und eine ausreichende Betreuung der Teilnehmenden ermöglicht.

Die an Hochschulen zwar seit längerer Zeit verfügbaren Lernplattformen erfüllen die Voraussetzungen nur bedingt, da die Anforderungen an Distanz- und Online-Lernende der Weiterbildung sich von denjenigen der in der Regel jüngeren Präsenzstudierenden deutlich unterscheiden. Diesen Umstand hat die Universität Freiburg früh erkannt: Bereits in den Jahren 2007–2010, also dem Bund-Länder-Wettbewerb vorausgehend, wurde im Rahmen der Etablierung von MasterOnline-Programmen (gefördert vom MWK-Baden-Württemberg) ein Synergiekonzept[2] zum technischen Support für onlinegestützte Weiterbildungsangebote im Rechenzentrum aufgebaut. Im Rahmen der 1. Wettbewerbsrunde des Bund-Länder-Wettbewerbs wurde im Projekt „Freiräume für wissenschaftliche Weiterbildung“ eine speziell auf die Bedürfnisse der Weiterbildung ausgerichtete Weiterbildungslernplattform eingerichtet (https://wb-ilias.uni-freiburg.de). Hierdurch erhalten Weiterbildungsangebote eine dezidierte Plattform, auf der die Pilotierungen der Angebote im Rahmen der Projektförderung aufgebaut und durchgeführt werden können. Angebote, die marktreif sind und kostenpflichtig angeboten werden, verbleiben auf der Weiterbildungsplattform und werden in einem öffentlich zugänglichen Bereich weiterbetrieben. 

Das Synergiekonzept für den technischen Support des Rechenzentrums (RZ) ist inzwischen verstetigt und die marktreifen Angebote werden nachhaltig bei der Aktualisierung der digitalen Lehrinhalte sowie bei der Durchführung und Betreuung der Teilnehmenden unterstützt. Die entsprechenden Aufwendungen und Personalressourcen des RZs werden über die Teilnahmeentgelte der Programme eingepreist und refinanziert.

museOn | weiterbildung und netzwerk kann damit auf ein etabliertes technisches Plattformkonzept zurückgreifen und die Programmentwicklung und nachhaltige Etablierung der onlinegestützten Module von Beginn an auf nachhaltige Ressourcen aufsetzen.

Abbildung 2: Blended Learning bei museOn

Abbildung 2: Blended Learning bei museOn (Foto: Universität Freiburg)

Links zu externen Webseiten & Dokumenten:

Weiterbildungsangebote der Universität Freiburg auf ILIAS
museOn | weiterbildung & netzwerk – Kursangebot auf ILIAS
museOn | weiterbildung & netzwerk – Homepage
museOn | weiterbildung & netzwerk – Online-Publikationen

Kontakt
ilka.backmeister@museon.uni-freiburg.de
nicole.woehrle@rz.uni-freiburg.de



[1] vgl. Kerres, Michael 2013: Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. München, S. 444.

[2] Nicole Wöhrle, Bettina Couné, Daniel Sassiat 2010: Einrichtung von internetgestützten weiterbildenden Masterstudiengängen: Unterstützung durch Synergiebildung. In: "E-Learning in berufsbegleitenden Masterstudiengängen", Zeitschrift für e-learning (4/2010 - 5. Jahrgang). S. 7-19. Studienverlag Innsbruck 


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