Personal als zentraler Faktor für die Nachhaltigkeit der Projekte der 1. und 2. Wettbewerbsrunde

Ein Beitrag von Sigrun Nickel und Anna-Lena Thiele, wissenschaftliche Begleitung, 24.10.2018


Ein wesentliches Ziel des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ ist die nachhaltige Implementierung der entwickelten und erprobten (Studien-)Angebote. Vor diesem Hintergrund wurden die insgesamt 73 geförderten Projekte aus der 1. und 2. Wettbewerbsrunde (WR) im Rahmen einer empirischen Untersuchung[1] gebeten,  u. a. die aus ihrer Sicht wichtigen Grundbedingungen für die nachhaltige Verankerung der erarbeiten Angebote sowie die damit verbundenen Herausforderungen anzugeben. Insgesamt zeigt sich, dass hier etliche Herausforderungen bestehen. Auf institutioneller Ebene zählen vor allem Personalfragen zu den erfolgskritischen Faktoren, aus diesem Grund wird in diesem Beitrag genauerer Blick auf dieses Feld geworfen. Insgesamt zeigt sich, dass personelle Kapazitäten auf verschiedenen Ebenen für die Nachhaltigkeit der Projektarbeit von hoher Relevanz sind. Dies bezieht sich sowohl auf das Lehrpersonal also auch das Management- und Supportpersonal.

Die Einzel- und Verbundprojekte aus der 1. und 2. WR wurden im Rahmen einer im ersten Quartal 2017 durchgeführten Befragung[2] der wissenschaftlichen Begleitung des Wettbewerbs gebeten, die aus ihrer Sicht wichtigen Grundbedingungen für die nachhaltige institutionelle Verankerung der von ihnen erarbeiteten Angebote anzugeben[3]. Die Ergebnisse zeigen, dass unbefristetes Personal in beiden WR oberste Priorität besitzt. Die Personen mit einer dauerhaften Festanstellung sind aus Sicht der Projekte vor allem notwendig für die Weiterentwicklung der Angebote nach Ende des Wettbewerbs, deren weitere Vermarktung und Durchführung, den dafür nötigen technischen Support sowie als kompetente Ansprechpartner(innen) und Wissensträger(innen) für Studierende, Studieninteressierte und die Hochschulorganisation insgesamt. Als weitere zentrale Grundbedingung werden motivierte, begeisterte und für die Lehre in der wissenschaftlichen Weiterbildung gut qualifizierte Lehrende angeführt, wobei den Professor(inn)en hier eine besondere Rolle zukommt. Neben dem von den Lehrenden gewünschten umfangreichen Engagement[4] wird umgekehrt auch deren Unterstützung und Entlastung im Tagesgeschäft sowie umfangreiche Anrechnungsmöglichkeiten für die in der wissenschaftlichen Weiterbildung erbrachten Lehrleistungen auf das herkömmliche Deputat genannt.

Abbildung 1: Ressourcenbedarf zur dauerhaften Verankerung der Angebote in den beteiligten Institutionen nach Wettbewerbsrunden im Zeitraum 2016/17

Abbildung 1: Ressourcenbedarf zur dauerhaften Verankerung der Angebote in den beteiligten Institutionen nach Wettbewerbsrunden im Zeitraum 2016/17

Quelle: Online-Befragung CHE Centrum für Hochschulentwicklung 2017
N = Anzahl der Angebote; Angaben in Prozent
Frageformulierung: „Welche Ressourcen sollten Ihrer Einschätzung nach optimiert werden, um den dauerhaften Betrieb des Angebots sicherzustellen? Mehrfachantworten möglich“

Wie obige Abbildung 1 zeigt, wird der größte quantitative Bedarf trotzdem nicht beim Lehr- sondern beim Supportpersonal gesehen. Hier mangelt es vor allem an Personen in folgenden Tätigkeitsbereichen: Studiengangmanagement, Studienberatung, Qualitätssicherung, IT-Service, und Administration[5]. Erst an zweiter Stelle folgt der Wunsch nach mehr Lehrpersonal. Im Vergleich dazu nehmen die technische und räumliche Ausstattung sowie die Möglichkeiten abends und am Wochenende Lehrveranstaltungen abhalten zu können als Faktoren für Nachhaltigkeit eine eher untergeordnete Rolle ein.

Dass in quantitativer Hinsicht überhaupt kein Verbesserungsbedarf besteht, sagt kaum einer der Befragten. Relativ häufig wird hier die Kategorie „Sonstiges“ gewählt. Unter dieser Kategorie werden als wichtige Faktoren für den dauerhaften Betrieb der Angebote u. a. angegeben: Höhere Grundfinanzierung, Marketing, eine längere Frist zur Einführung der Angebote, die strukturelle Verankerung an der Hochschule, die Änderung der Landeshochschulgesetze, mehr/dauerhafte studentische Tutor(inn)en und ein Mensabetrieb am Wochenende.

Weiterhin wurde ermittelt, wie hoch die Anteile der unbefristet Beschäftigten zum Erhebungszeitpunkt[6] waren. Wie bereits erwähnt, ist es aus Sicht der Befragten entscheidend, inwiefern nach Projektende ausreichend Personal zur Verfügung steht, um die im Wettbewerb erzielten Resultate mittelfristig absichern und weiterzuführen zu können. Die nachfolgende Tabelle 1 gibt einen Überblick über die diesbezügliche Situation in beiden WR:

 

Tabelle 1: Befristet und unbefristet Beschäftigte nach Personalgruppen und Wettbewerbsrunden  im Zeitraum 2016/17

Online-Befragung CHE Centrum für Hochschulentwicklung 2017

Quelle: Online-Befragung CHE Centrum für Hochschulentwicklung 2017

Frageformulierung: „Wie viele befristet und unbefristet angestellte Personen arbeiten bei der Durchführung des Angebots mit? Bitte geben Sie absolute Zahlen an“

Die obigen Befunde unterstreichen, dass die an der Durchführung von Angeboten beteiligten wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter(innen) sowie Lehrbeauftragte häufiger befristet als unbefristet eingestellt sind. Genau anders herum verhält es sich bei den involvierten Professor(inn)en, diese sind fast ausschließlich unbefristet beschäftigt. Zwischen den beiden WR gibt es einige Differenzen: Während die Mehrheit des Personals in den Angeboten der 2. WR im Zeitraum 2016/2017 aus befristet eingestellten wissenschaftlichen Mitarbeiter(innen) besteht, dominieren in der 1. WR zeitgleich die unbefristet beschäftigten Professor(inn)en. Befristet beschäftigte Lehrbeauftragte erreichen insgesamt keine hohe Anzahl, kommen aber in den Angeboten der 1. WR etwa doppelt so häufig vor wie in der 2. WR. Eine mögliche Erklärung für diese Differenz kann der unterschiedliche Umsetzungsstand der Angebote sein. Da sich in der 2. WR aufgrund der noch nicht so langen Förderdauer viele Angebote noch in der Konzeptentwicklung befinden und keine Teilnehmenden haben, werden nicht in dem Maße externe Lehrende benötigt wie in der 1. WR. 

Darüber hinaus sollten die Befragten angeben, in welchem Ausmaß festangestellte Professor(inn)en, die also auch nach Ende der Förderung im Rahmen des Wettbewerbs an der eigenen Institution oder an einer Partnerorganisation bleiben, an der Erstellung und/oder Durchführung der Angebote mitwirken. Insgesamt wird das Engagement der Professor(inn)en relativ positiv beurteilt. In der 1. WR bewerten 48,6 Prozent deren Engagement als intensiv. In der 2. WR liegt der Anteil mit 42,3 Prozent ein wenig niedriger. Dafür erreicht die gelegentliche Mitwirkung in den Angeboten der 2. WR (21,1 %) einen deutlich höheren Wert als in den der 1. WR (10,3 %). Nur selten wird von den Befragten angegeben, dass eine eher geringe oder keine Mitwirkung existiert sowie die Mitwirkung von Professor(inn)en im Projektvorhaben nicht notwendig ist.

Differenziert nach Umsetzungsstand des Angebots[7] (vgl. Abbildung 2) zeigt sich, dass die Mitwirkung von festangestellten Professor(inn)en in der Phase der Konzeptentwicklung am geringsten ist und bei den bereits implementierten Angeboten am höchsten. Hier ergibt sich eine Korrespondenz zum oben dargestellten Befund, wonach in den Angeboten der 1. WR unbefristet beschäftigte Professor(inn)en stärker involviert sind als in den Angeboten der 2. WR. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Förderdauern hatten die Projekte der 1. WR im September 2017 rund fünf Mal mehr Angebote in den Regelbetrieb überführt als die der 2. WR[8].

Abbildung 2: Mitwirkung festangestellter Professor(inn)en nach Umsetzungsstand der Angebote aus der 1. und 2. WR im Zeitraum 2016/17

Abbildung 2: Mitwirkung festangestellter Professor(inn)en nach Umsetzungsstand der Angebote aus der 1. und 2. WR im Zeitraum 2016/17

Quelle: Online-Befragung CHE Centrum für Hochschulentwicklung 2017
N = Anzahl der Angebote; Angaben in Prozent
Frageformulierung: „In welchem Ausmaß wirken festangestellte Professor(inn)en von Ihrer oder einer Partnerhochschule am Angebot mit?“

Ebenfalls wurde ermittelt, in welchem Ausmaß festangestelltes Service- und Managementpersonal von der eigenen Institution oder einer Partnerorganisation am Angebot mitarbeitet. Den Antworten der Befragten zufolge fällt die Mitwirkung dieser Personalgruppe insgesamt weniger intensiv aus als die der fest angestellten Professor(inn)en. Erneut zeigen sich Differenzen nach WR (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Mitwirkung festangestellter Service- und Managementkräfte in den Angeboten der 1. und 2. WR im Zeitraum 2016/17

Abbildung 3: Mitwirkung festangestellter Service- und Managementkräfte in den Angeboten der 1. und 2. WR im Zeitraum 2016/17

Quelle: Online-Befragung CHE Centrum für Hochschulentwicklung 2017
N = Anzahl der Angebote; Angaben in Prozent
Frageformulierung: „In welchem Ausmaß arbeitet festangestelltes Service-/Managementpersonal von Ihrer oder einer Partnerhochschule am Angebot mit?“

Auffällig ist, dass in mehr als doppelt so vielen Angeboten der 1. WR angegeben wird, dass keinerlei Mitwirkung des festangestellten Service- und Managementpersonals besteht als in der 2. WR. Weitgehende Übereinstimmung zwischen den WR herrscht dagegen in der Feststellung, dass das Engagement dieser Personengruppe dennoch als notwendig erachtet wird.

Darüber hinaus stellen Personalwechsel und -engpässe ein weit verbreitetes Problem in den Förderprojekten dar. Dies zeigt eine Auswertung der Frage, welche Problemfelder momentan bei der Umsetzung des Projekts relevant sind. So geben in beiden WR mehr als 55 Prozent an, dass dies voll oder eher zutrifft. Der Mittelwert liegt bei 2,4[9]. Im Gegensatz dazu werden die weiteren Problemfelder (u. a. Wechsel der Hochschulleitung, Fehlende Unterstützung, Kooperation mit anderen Organisationbereichen, Sicherung der Projektergebnisse) als deutlich weniger relevant eingeschätzt. 

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass das Engagement festangestellter Professor(inn)en in dem Maße wächst, wie der Reifegrad der im Rahmen des Wettbewerbs erarbeiteten (Studien-)Angebote zunimmt. Folgerichtig ist diese Personengruppe in den Angeboten am häufigste vertreten, die bereits im Regelbetrieb laufen. Durch die Präsenz unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Personals wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Wettbewerbsergebnisse auch nach Ende der Projektförderung weiterbestehen, vorausgesetzt, es gibt weiterhin eine entsprechend große Nachfrage von den adressierten Zielgruppen. Gleichzeitig wird aber auch der Bedarf nach gut qualifiziertem Service- und Managementpersonal sichtbar. Studiengangmanagement, Studienberatung, Qualitätssicherung, IT-Service und Administration werden als ebenso wichtig angesehen wie die inhaltliche und didaktische Durchführung der Angebote. Beide Bereiche ergänzen sich und spielen trotz ihrer unterschiedlichen Aufgabenzuschnitte bedeutsame Rollen für die Nachhaltigkeit der Angebote. Quantitativ gesehen existieren jedoch eher Lücken beim Service- und Managementpersonal als bei den Lehrenden. Hier gibt es aus Sicht der Befragten noch Nachholbedarf.

Für Rückfragen:

Dr. Sigrun Nickel, Mitglied im Leitungsteam der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“, E-Mail: sigrun.nickel@che

Anna-Lena Thiele, Mitarbeiterin der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“, E-Mai: anna-lena.thiele@che.de



[1] Nickel, Sigrun; Schulz, Nicole; Thiele, Anna-Lena (2018): Projektfortschrittsanalyse 2017: Befragungsergebnisse aus der 1. und 2. Wettbewerbsrunde. Thematischer Bericht der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“. Hagen. Abgerufen unter: http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-157098 

[2] Die Untersuchung bezieht sich auf den Zeitraum Januar 2016 bis September 2017. Der Rücklauf mit Blick auf die Anzahl der Förderprojekte beträgt 100 Prozent. Die 1. Wettbewerbsrunde mit insgesamt 26 Projekten lief Ende September 2017 regulär aus. Aktuell befinden sich noch 47 Projekte der 2. Wettbewerbsrunde in der Förderung. Angeschrieben worden waren im Rahmen der Untersuchung insgesamt 486 Projektverantwortliche und -mitarbeitende. Der Rücklauf liegt bezogen auf die Zahl der angeschriebenen Personen bei 80,3 Prozent. 

[3] Frageformulierung: „Was sind aus Ihrer Sicht wichtige Grundbedingungen für die nachhaltige Verankerung des Angebots an Ihrer Hochschule/ außeruniversitären Forschungseinrichtung?“ Siehe dazu auch folgende Publikation der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“: Maschwitz, Annika; Schmitt, Miriam; Hebisch, Regina; Bauhofer, Christine (2017): Finanzierung wissenschaftlicher Weiterbildung. Herausforderungen und Möglichkeiten bei der Implementierung und Umsetzung von weiterbildenden Angeboten an Hochschulen. Hagen. Abgerufen unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0111-pedocs-148917

[4] Siehe dazu auch folgende Publikation der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“: Schmid, Christian J.; Wilkesmann, Uwe (2018). Warum und unter welchen Bedingungen lehren Dozierende in der wissenschaftlichen Weiterbildung? Ergebnisse einer Online-Befragung. Hagen. Abgerufen unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0111-pedocs-154867

[5] Vertiefende Informationen zum Personal, das in der Studiengangskoordination tätig ist unter: Gronert, Laura; Rundnagel, Keike (2018): Studiengangkoordinationen in dezentral organisierten Weiterbildungsprogrammen. Eine zentrale Schnittstelle mit vielfältigem Aufgabenspektrum. In Seitter, Wolfgang; Friese, Marianna & Pia Robinson (Hrsg.). Wissenschaftliche Weiterbildung zwischen Implementierung und Optimierung (S.179-204). Münster: Waxmann.

[6] Die Untersuchung bezieht sich auf den Zeitraum Januar 2016 bis September 2017. Der Rücklauf aus den angeschriebenen Projekten beträgt 100 Prozent.

[7] Angebote, bei denen die Mitwirkung von Professor(inn)en nicht bewertet wurde, werden im Folgenden nicht weiter berücksichtigt. 

[8] Im September 2017 gab es 210 implementierte Angebote in der 1. WR und 44 in der 2. WR.

[9] Skala von 1 „trifft voll zu“ bis 4 „trifft überhaupt nicht zu“.


Col 3