Potenziale des flexiblen Baukastenprinzips für die wissenschaftliche Weiterbildung

Ein Beitrag von Sonja Thiel und Toni Bünemann, Projekt FRAMAS, 22.04.2020

Modularisierung im Baukastenprinzip

Im Rahmen von FRAMAS (Freiburger Akademie für Museums- Ausstellungs- und Sammlungswissen) an der Universität Freiburg im Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ wurde das Programm museOn | weiterbildung und netzwerk seit Ende 2014 entwickelt und seit 2016 im Testbetrieb durchgeführt. Das Programm hat die Weiterbildung und die zeitgemäße Qualifizierung von Fach- und Führungskräften für den Museums- und Kulturbereich zum Ziel. Als Blended-Learning-Format mit hohen Online-Anteilen von 80 –100 Prozent pro Kurs richtet es sich bundesweit berufsbegleitend an Personal von Museen und Sammlungen mit Rücksicht auf Personen mit Familienpflichten und ohne Hochschulzugangsberechtigung. Das Baukastenprinzip sieht kleinteilige modularisierte Kurse (1 ECTS) vor, die als Einzelkurs oder in individueller Kombination in Hinblick auf die eigenen beruflichen Bedarfe studiert werden können. Kombiniert werden können die Einzelkurse und Projektarbeiten zu einem Zertifikatsabschluss CAS (Certificate of Advanced Studies) oder DAS (Diploma of Advanced Studies) nach Swissuni Qualitätsrichtlinien. Inhaltlich können so flexibel Profilangebote mit wechselnden Schwerpunkten zusammengestellt werden.

Zielgruppen – Museumspersonal

Die Zielgruppen des Programms zeichnen sich durch unterschiedliche Berufsbiographien und Lebensumstände sowie heterogene berufliche Anforderungen aus. Durch Kumulationsmöglichkeiten der Module wird die Anschlussfähigkeit der Inhalte an unterschiedliche individuelle Berufsbiographien und berufliche Anforderungen ermöglicht. Der Museumsbereich ist häufig geprägt von geringem Personalschlüssel bei gleichzeitig steigenden Aufgabengebieten und Anforderungen. Wissenschaftliche Weiterbildung kann ein Schlüssel dafür sein, neuen Aufgabenfeldern proaktiv zu begegnen und eigene Strategien im Umgang mit gegenwärtigen/aktuellen Herausforderungen zu entwickeln. Das Programm fokussiert insbesondere Kompetenzen für den digitalen und gesellschaftlichen Wandel.

Theorie-Praxis-Verzahnung

Der Transfer des Gelernten in die Praxis ist im Kurskonzept von museOn von Anfang an angelegt. Neben Inputs in Form von Audios, Videos, E-Lectures und Texten kommen kollaborative digitale Austauschformate zur Anwendung, die den Austausch und die kollegiale Beratung fördern und so den Lernerfolg erhöhen und das Netzwerk erweitern. Die Rolle der Fachexpert*innen und E-Tutor*innen wird so punktuell auf fachliche Inputs und Beratung sowie die kommunikative Begleitung des Kurses fokussiert. Der Impuls zum Transfer in die eigene Praxis ist jeweils initiiert durch Aufgabenstellungen, bei denen Gelerntes direkt auf die Herausforderungen des eigenen Umfelds zu beziehen ist. Durch den hohen Anteil an lernendengenerierten Materialien wird die Anwendungsorientierung und der professionelle Weitblick gefördert. 

Grenzen und Perspektiven des Programms

Das modularisierte Konzept von FRAMAS zieht einen hohen Aufwand nach sich, der in den digitalen Systemen des Campusmanagements für die Weiterbildung bisher noch nicht ausreichend durch Automatisierungsprozesse abgedeckt werden kann. Dies ist bei der in Entwicklung befindlichen Strategie zur Digitalisierung der Universität und im Hinblick auf die Finanzierung mitzudenken. Grenzen des Projekts finden sich im Datenmanagement sowie in den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Kostendeckungsgebots, da die Weiterbildungskultur im Kulturbereich anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Perspektivisch zukunftsfähig ist der offene Umgang mit digitalen Lehr-/Lernmaterialien sowie die Offenheit der kleinteiligen Formate im Programm. Hier können zügig Inhalte und Lehrende wechseln, es ermöglicht also auch programmatisch eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Offenheit bietet sich in der Entwicklung und Verwertung als „Open Educational Ressources“ (OER), zum anderen in Bezug auf die Mehrfachnutzung bzw. Anpassung für neue Zielgruppen, auch für die grundständige Lehre. Ebenso perspektivreich ist das Format für zukünftige Kooperationen mit außerhochschulischen Partnern. Durch die niedrigschwellig zu erstellenden Online-Kurse können Bedarfe zügig aufgegriffen und erfüllt werden. Die Online-Angebote sind darüber hinaus ein Beitrag zur nachhaltigen und fast klimaneutralen Bildungskultur, da sie mit wenig Reisekosten international durchgeführt werden können. Übergreifend einsetzbar sind auch die didaktischen Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrende in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Die Durchlässigkeit für Personen ohne Hochschulzugang wird erhöht, indem ein niedrigschwelliger Einstieg auch für Personen ohne Berufsabschluss geboten wird, die durch Kumulation und entsprechende Betreuungskonzepte durch die Weiterbildung begleitet werden. Insgesamt bietet das Programm so auch weiterhin viele Chancen für die Forschung und Entwicklung.

Kontakt

Sonja Thiel
Wissenschaftliche Koordinatorin
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
FRAMAS – museOn | weiterbildung & netzwerk
Postfach: 79085 Freiburg
www.museon.uni-freiburg.de
Twitter: @museonFR
www.facebook.com/museon.weiterbildung