Projekte ziehen positive Bilanz der Wettbewerbsteilnahme

Ein Beitrag von Sigrun Nickel und Nicolas Reum, wissenschaftliche Begleitung, 28.10.2020


Gegen Ende ihrer sechsjährigen Laufzeit ziehen die verantwortlichen Projektleiter*innen und -koordinator*innen aus der 2. Wettbewerbsrunde (WR) des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ eine überwiegend positive Bilanz. Zu diesem Schluss kommt die Analyse der letztmalig durchgeführten empirischen Erhebung im Rahmen der Projektfortschrittsanalyse der wissenschaftlichen Begleitung. In die Untersuchung wurden 46 Förderprojekte einbezogen, deren Förderung spätestens im Dezember 2020 endet. Hervorgehoben wird von den Befragten vor allem, dass es oftmals gelungen sei, während des Bund-Länder-Wettbewerbs hochschulinterne Strukturen und Prozesse zur dauerhaften Etablierung der wissenschaftlichen Weiterbildung zu schaffen. Weniger Fortschritte gab es dagegen bei der Erhöhung der Akzeptanz der wissenschaftlichen Weiterbildung innerhalb des Lehrkörpers sowie bei der Lösung von Finanzierungsfragen.

Zum Erhebungszeitpunkt im Frühjahr 2020 hatten die Projekte der 2. WR den bisherigen Höchststand von 488 wissenschaftlichen Weiterbildungsangeboten erreicht. Insgesamt zeigt sich im Zeitverlauf ein deutlich fortschreitender Umsetzungsstand der im Förderzeitraum 2014 bis 2020 entwickelten Angebote: Dies zeigt sich u. a. am Anteil der bereits in den Regelbetrieb überführten Angebote, der auf nunmehr 134 (27,5 %) gestiegen ist. Weitere 354 Angebote (72,5 %) befinden sich in der Schlussphase des Wettbewerbs noch in der Entwicklungs- und Erprobungsphase, davon 85 Angebote (17,4 %) in unmittelbarer Vorbereitung auf den Regelbetrieb. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass einige noch in Bearbeitung befindliche Angebote auch nach Ende der Förderung implementiert werden. Wie eine von der wissenschaftlichen Begleitung durchgeführte Ex-post-Untersuchung der bereits im September 2017 abgeschlossenen Projekte der 1. WR belegt, waren anderthalb Jahre nach Ende der Projektlaufzeit 65 Angebote, die im Zuge des Bund-Länder-Wettbewerbs entwickelt worden waren, erst im Nachhinein in den Regelbetrieb überführt worden (Nickel, Reum & Thiele, 2019, S. 15).

Ein detaillierter Blick auf die Struktur des Angebotsportfolios der beteiligten Hochschulen zeigt, dass der Anteil der Zertifikatsangebote seit der ersten Erhebung der 2. WR 2016/17 kontinuierlich angewachsen ist und aktuell 44,1 Prozent erreicht. Der bereits zuvor im Bund-Länder-Wettbewerb erkennbar gewordene Trend (Nickel, Schulz & Thiele, 2019) verstärkt sich also weiter. Er geht dabei konform mit der allgemeinen Entwicklung innerhalb der wissenschaftlichen Weiterbildung in Deutschland (Reum, Nickel & Schrand, 2020). Auch der Anteil der interdisziplinären Angebote stieg zwischen 2017 und 2020 stetig an und erreicht nun rund 45 Prozent.

Vertiefend zum angebotsspezifischen Teil der Projektfortschrittsanalyse wurden die Projektleiter*innen und -koordinator*innen der 2. WR zu ihren Einschätzungen hinsichtlich der Projektergebnisse und ihren Wirkungen sowie der Erfolgsfaktoren und Herausforderungen befragt. Gekoppelt mit den Ergebnissen einer vorhergehenden Befragung von ehemaligen Projektleiter*innen und -koordinator*innen der 1. WR von 2019 (Nickel, Reum & Thiele, 2020) ermöglicht dies eine umfassende Retrospektive auf den Bund-Länder-Wettbewerb über seine gesamte Laufzeit (2011 – 2020).

Als besonders wirksam stufen die Befragten bei der Schaffung von dauerhaften Strukturen zur Etablierung der wissenschaftlichen Weiterbildung, vor allem die Einrichtung zentraler Organisationseinheiten wie z. B. Weiterbildungszentren, ein. Davon sind im Förderzeitraum etliche an den beteiligten Hochschulen entstanden. Als ebenfalls sehr wirksam werden auch die im Rahmen der Projektarbeit entstandenen Kontakte und Kooperationen hervorgehoben. Dies bezieht sich sowohl auf hochschulinterne Partner*innen, wie etwa die Universitätsleitungen, Verwaltungen und Studierende, als auch auf hochschulexterne Akteure wie Partnerunternehmen und Verbände.

Weitgehende Übereinstimmung zwischen den Projektleiter*innen und -koordinator*innen der 1. und 2. WR herrscht auch bei der zurückhaltenden Einschätzung der Akzeptanz der wissenschaftlichen Weiterbildung innerhalb des Lehrkörpers. Weiterhin wird dieser Bereich eher nicht als originäre Aufgabe neben den traditionellen Kernarbeitsfeldern Forschung und Lehre gesehen. Immerhin haben die Befragten zumindest eine zunehmende Sensibilität des Lehrkörpers für diese Aufgabe beobachtet. Dies führen sie überwiegend auf die Teilnahme am Bund-Länder-Wettbewerb zurück.

Als größte Herausforderung wird von den Projekten beider WR die Finanzierung der Weiterbildungsangebote nach dem Wegfall der Fördermittel gesehen. Aber auch die Gewinnung von Lehrenden und Supportpersonal sind offenbar weiterhin problembehaftet. Auffallend ist auch, dass bei der weiteren Etablierung der wissenschaftlichen Weiterbildung deutlich weniger Schwierigkeiten bei der Unterstützung durch hochschulinterne Akteure wie etwa Hochschulleitungen, Fachbereiche und Verwaltungen gesehen werden als bei der Unterstützung durch die Landesministerien.

Insgesamt schauen die befragten Projektleiter*innen und -koordinator*innen aber trotz aller genannten Optimierungsbedarfe überwiegend optimistisch in die Zukunft. 81,7 Prozent gehen von einem künftigen Bedeutungszuwachs[1] der wissenschaftlichen Weiterbildung aus. Der demografische Wandel, die Digitalisierung sowie die Veränderungen der Arbeitswelt machen nach Ansicht der Befragten die wissenschaftliche Weiterbildung zu einem wichtigen Baustein für lebenslanges Lernen in Deutschland.

Die vollständige Projektfortschrittsanalyse 2020 Band 1 als thematischen Bericht finden Sie hier ».

Für Rückfragen

Dr. Sigrun Nickel
Mitglied im Leitungsteam der wissenschaftlichen Begleitung
E-Mail: sigrun.nickel@che.de

Dr. Nicolas Reum
Mitarbeiter der wissenschaftlichen Begleitung
E-Mail: nicolas.reum@che.de

Literatur

Nickel, Sigrun; Reum, Nicolas & Thiele, Anna-Lena (2020). Wirkungen über die Projektförderung hinaus: Analyse einer Ex-post-Befragung der 1. Wettbewerbsrunde. Projektfortschrittsanalyse 2019: Band 1. Thematischer Bericht der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“. Abgerufen von http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-184840

Nickel, Sigrun; Schulz, Nicole & Thiele, Anna-Lena (2019). Projektfortschrittsanalyse 2018: Entwicklung der 2. Wettbewerbsrunde im Zeitverlauf seit 2016. Thematischer Bericht der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“. Abgerufen von http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-166289

Reum, Nicolas; Nickel, Sigrun & Schrand, Michaela (2020). Trendanalyse zu Kurzformaten in der wissenschaftlichen Weiterbildung. Thematischer Bericht der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“. Abgerufen von http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-206218

 


[1] Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Befragung zu einem Zeitpunkt vor der Corona-Pandemie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen stattfand, die auch Konsequenzen für die Nachfrage nach wissenschaftlichen Weiterbildungsangeboten haben könnten.


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