Stetige Begleitung statt Konsensuskonferenz – Wege zur nachhaltigen Teilnehmendengewinnung

Ein Beitrag von Evelin Krolopp, Projekt Weiterbildungscampus Magdeburg, 24.10.2018

Die Ausgangslage

Es ist ein verbreitetes Phänomen: AkteurInnen der wissenschaftlichen Weiterbildung erheben Bedarfe, entwickeln Angebote, lassen diese von ExpertInnen in einer Konsensuskonferenz bewerten, justieren nach und bringen das Angebot an den Markt. Doch der Weg zwischen beratender Zustimmung und tatsächlichem Kauf ist lang. Auch die Hochschule Magdeburg-Stendal mit Ihrem Studiengang Care Business Management hat diese Erfahrung gemacht. Der Studiengang wurde auf Initiative eines potentiellen Kunden entwickelt und aufgebaut. Dennoch blieben die Studierendenzahlen nach ersten erfolgreichen Jahren hinter den Erwartungen zurück.

Das Ziel

Im Rahmen des Projektes Weiterbildungscampus Magdeburg im Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ war daher eine zentrale Frage, wie der Studiengang so profiliert werden kann, dass er zu einem Teil der Personalentwicklungsmaßnahmen der weiterbildungsaffinen Pflegebranche wird. Durch die Verknüpfung des Design-Thinking-Ansatzes mit dem Instrument der Magdeburger CurriculumSchmiede sollte eine für NutzerInnen überzeugende Lösung entwickelt werden.

Die Idee

In der ersten Förderphase wurde im Weiterbildungscampus Magdeburg ein Instrument zur Rahmung und Organisation des Prozesses der Curriculumentwicklung – die Magdeburger CurriculumSchmiede – entwickelt. Der Ansatz geht Peter M. Senge folgend davon aus, „dass eine erfolgreiche Bearbeitung von Aufgaben erst in Teams von Menschen möglich ist, die eine persönliche sowie eine gemeinsame Vision verfolgen, Verantwortung für das gemeinsame Tun übernehmen, sich gegenseitig vertrauen und sich aufeinander sowie auf das Neue einlassen“[1]. Dem folgend wurden zunächst Praxis- und StudiengangvertreterInnen zum Austausch in einen moderierten Workshop eingeladen.

Es entstand die gemeinsame Vision eines Hochschulzertifikates für Stationsleitungen mit definierten Inhalten und Kompetenzen. Entscheidender Faktor hinsichtlich der Nachhaltigkeit ist, dass die Einbindung der PraxisvertreterInnen mit diesem Workshop nicht endete, sondern danach erst richtig begann. Es entstand ein engagierter am Thema interessierter Kreis bestehend aus den PflegedirektorInnen der Stadt Magdeburg und den VertreterInnen des Studiengangs, die gemeinsam den Weg von der Vision zur Realisierung gehen wollten. Der Kreis wurde in einem Lenkungsgremium des Entwicklungsprojektes formalisiert und aufgrund berufspolitischer Vorgaben um die Schulleitungen der Pflegefachschulen Magdeburgs erweitert. Es trifft sich alle acht Wochen, um über den Projektfortgang der Angebotsentwicklung zu beraten und zu entscheiden. Der Fokus der Arbeit des Gremiums liegt dabei nicht nur auf den Inhalten, sondern hat auch Themen wie das Angebotsformat, die Organisation sowie das Marketing im Blick.

Das bisherige Ergebnis

Im Ergebnis entstand ein hybrides Angebot. Basis ist der bereits bestehende Studiengang, der mit Ausbildungsinhalten der Fachschulen verknüpft wird. Das neue Angebot findet aufgrund seiner Innovationskraft und seiner Passfähigkeit auf die Anforderungen der Branche großen Widerhall und hohe Nachfrage.

Die enge Einbindung der Pflegedirektorate in die Entwicklung des neuen Angebots führt zu einer hohen Identifikation der PraxisvertreterInnen mit dem Angebot. Sie wirken in die Branche hinein als Multiplikatoren und Türöffner.

Ausblick

Geplant ist die Beibehaltung des Lenkungsgremiums über den Entwicklungsprozess des Angebotes hinaus. Dahinter steht ein iteratives Verständnis von Angebotsentwicklung. So wie die Branche sich stetig fortentwickelt, wird sich auch das Angebot stetig weiterentwickeln müssen. Durch die langfristige Einbindung der PraxisvertreterInnen in Evaluation und Fortentwicklung des Angebots wird eine nachhaltige Orientierung an den Bedarfen und damit eine die nachhaltige Nachfrage sichergestellt.

Fazit

Eine Konsensuskonferenz bildet eine Momentaufnahme ab. Eingeladene PraxisvertreterInnen bleiben in der Haltung der Beratenden, die aufgewendeten kognitiven Ressourcen sind hier eher begrenzt und gehen selten über Zustimmung oder Ablehnung hinaus.

Die Begleitung der Entwicklung eines Angebots von der ersten Idee bis zur Evaluation bringt die PraxisvertreterInnen in die Haltung der Mitentwickelnden, die zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Risiken des Angebots führt. Dadurch kann ein für die Praxis passendes Angebot entwickelt werden, dass allein auf Wissensgrundlage der Hochschule und entsprechender Marktanalysen und Befragungen so nicht zustande gekommen wäre.

Voraussetzungen für dieses Modell sind die Offenheit der StudiengangsvertreterInnen gegenüber den Bedarfen und Anregungen der Praxis, ein gemeinsames Bildungsinteresse der verschiedenen BranchenvertreterInnen und eine Koordinierungsstelle, die den Kontakt zu allen Projektbeteiligten hält und den Abstimmungsprozess definiert und organisiert.

Kontakt:

Evelin Krolopp
E-Mail: evelin.krolopp@hs-Magdeburg.de
Tel.: 0391-6757209



[1] Shkonda/ Krüger/ Theilmann: Eine systemische Strategie für Entwicklung und Übertragung von aufgabenorientierten Curricula in der wissenschaftlichen Weiterbildung – eine Handreichung,  In: Magdeburg Universitätsbibliothek, 2017, Stand: März 2017, 1 Online-Ressource (PDF-Datei: IV, 68, IX Seiten, 2,09 MB); http://dx.doi.org/10.24352/UB.OVGU-2017-020.


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